thun zu können, sondern auf daß wir die nöthigen Mittel inHänden haben, unsere bessern Wünsche sowohl für eigeneVeredlung, als für Anderer gute Erziehung und Glück zuerreichen. Wer unter täglichen Sorgen leidet, wie er das Aller-unentbehrlichste aufbringe, sein Leben zu erhalten, ist sehr zubeklagen. Er ist der Sklave seines Leibes. Er kann an nichtsBesseres denken. Er ist vom guten Willen und der Gnade oftder schlechtesten Leute abhängig, und muß oft seine Grundsätze,seine Tugend verkaufen oder verleugnen, um Brod, Obdachund Kleider zu haben.
Es ist gerecht und vernunftgemäßdaß wir uns bemühen,selbstständig zu sein, nicht um über Andere nach Willkür schaltenund verfügen zu können, sondern um nicht der Willkür einesAndern zu Gebote zu stehen. Der Trieb nach Unabhängigkeitund sein eigener Herr zu sein, liegt tief in des Menschen Brust,und kann durch kein Mittel ausgerottet werden. Es ist nichts,was so sehr schmerzt, als an sich selber nichts und nur derSchatten eines Fremden zu heißen, keinen eigenen Willen habenzu dürfen, und sich jede Demüthigung gefallen lassen zu müssen.Jeder Mensch, auch der allerärmste, fühlt es, er sei Mensch,so gut wie jeder andere; er sei ein Kind des Schöpfers imHimmel, ein eigener Zweck zu eigener Bestimmung: nicht Sacheund Werkzeug nur für anderer Sterblichen Laune geschaffen.
Bei dem Allen sind doch Viele durchaus nichts Besseres,als todte Werkzeuge, willenlose Wesen und Spiele von willkür-lichen Einfällen derer, die sie oft an Ecistesgaben weit übertreffen.Sic machen sich selber abhängig, und sind Diener, während sieHerren sein sollten und konnten.
In einer gewissen Abhängigkeit freilich stehen alle Menschenzu einander; denn einer ist des andern Beistandes immer be-dürftig. Gott wollte dies, vertheilte darum seine Gaben ungleich,damit Einer dem Andern recht unentbehrlich sein solle, und daßdie Geselligkeit unter einzelnen Menschen, Familien und ganzenNationen aufs engste geknüpft werde. Daher ist der Fürst mehroder weniger abhängig von seinem Volk, der Unterthan ebenso von seiner Obrigkeit, der Dienstbote von seiner Herrschaft,