Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
98
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Werse Unabhängigkeit des Christen imbürgerlichen Leben.

Jes. Str. an, R.

Zn Drinem Reich/

, Gott/ .sind die Geister vor Dir gleich/

Sind alle Menschen Brüder/

, Und Christi Glieder.

Wer seinen Werth/

Als Mensch/ sich selber kennt und ehrt/

Raubt Macht sich und VermögenZu And'rer Segen.

Nur der ist gut/

Der Wenig fordert. Vieles thul/

Von fremden Launen nie geleitetSein Glück bereitet.

Drum, daß ich frei/

Von Andern unabhängig sei/

Dies gib/ damit ich Deinen Mille»

^.nn frei erfüllen.

Ä^an möchte reich sein, und macht sich doch selber arm. Maremöchte etwas bedeuten, eine gewisse Achtung unter den Leutengenießen, und bringt sich doch selber um alle Achtung undBedeutung. Man möchte höher stehen, als viele Andere, underniedrigt sich doch gar oft unter die Niedrigsten. Man möchteHerr sein, und verkauft sich für Spottgeld in Sklaverei.

Diese Widersprüche in den Handlungen eines und desselbenMenschen sind so gemein und alltäglich, daß wir sie kaum nochder Aufmerksamkeit werth finden. Woher entspringen sie? Ausdem Gegcnstreite zwischen gewissen Forderungen, die wir alsvernünftige Wesen machen sollen, und der Elendigkeit unsererirdischen Gelüste. Wir möchten gern Vieles haben, Vielesgelten, Vieles sein, aber mit weniger Anstrengung, wenigerAufopferung, weniger Selbstbeherrschung. ,

Es ist gerecht und vernunftgemäß, daß wir unsere Glücks-umstände verbessern, für uns und die Unsrigen einen gewissenWohlstand bereiten, nicht um damit großzuthun oder uns gütlich