Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

78

Vertheidiger ihrer Rechtsame; hat von ihnen, als Ernährer undVersorger, Gehorsam zu fordern; er steht unter den Bürgerndes Staates in Verehrung, und hat in freien Ländern seineStimme zur Gesetzgebung und Ernennung der Obrigkeü-en.

Diese älteste und erste Einrichtung in der menschlichen Gesell-schaft wird auch fortwährend bleiben; denn sie stammt nicht ausmenschlicher Klugheit und Erfindung, sondern sie ist Sache derNatur, das heißt, Werk Gottes. Jeder, der mit dieser Würdebekleidet ist, sollte daher ihrer allezeit eingedenk sein, und sieweder mit leichtem Sinn übernehmen, noch durch eigenen ttnwerthentehren.

Der Mann, so lange er allein da steht, ist ungebunden, undum nichts als um sich selbst bekümmert. Hat er für seineeigenen Bedürfnisse gesorgt, so ist er frei. Mißfällt ihm seinStand: er verläßt ihn. Mißfällt ihm sein Vaterland: er ver-tauscht es mit einem andern. Ein Anderes ist cs mit dein Ver-hältnisse des Hausvaters. Ihn fesseln viele neue Pflichten, vondenen er sonst keine kannte aber Pflichten, die an sich zu schönund durch sich selbst zu belohnend sind, als daß er sie nicht mitFreudigkeit übernehmen sollte. Er nennt unter allen seinenSorgen jetzt die Sorge für sich selbst die geringste; seine Gattin,seine Kinder, sein Berufsgeschäft, seine Hausgenossen fordernvon ihm größere Aufmerksamkeit. Er soll der Vater, Vormund,Beschützer, Freund, Rathgebcr aller der Seinigen sein. Wohlwerden ihm oft sein Stand, sein Amt, Gewerbe und Beruf zurLast, wenn ihn die Härte und Ungerechtigkeit seiner Obernquält, oder wenn er mehr Verdruß und Schmerz, als Gewinnvon seinen Arbeiten zieht. Aber was er sonst mit Unmuth vonsich abgeschüttelt haben würde, das erträgt er nun geduldig umder Seinigen willen; er nimmt die Dornen des Lebens, weilsie doch für Gattin und Kinder einige Rosen tragen. Dennohne ihre Zufriedenheit, ohne ihren Wohlstand, ohne ihre Ehrehat er selbst weder Zufriedenheit, noch Wohlstand, noch Ehre.Wäre er allein, er würde vielleicht das Land meiden, in welchemUngerechtigkeit herrscht, oder Kriege sein Eigcnthum unsichermachen, oder allzugroße Auflagen ihn um den bessern Theil