wenn er, was leicht geschieht, in seiner ekelhaften Große dasteht.-Allein auch hier gibt es mannigfaltige Abstufungen. Nicht alleArten des GeizeS, nicht alle Gehässigkeiten desselben sind Jedemgemein. Bei dem Einen kämpft noch daS Gefühl des Bessern,natürliches Wohlwollen für Andere, gegen die ängstliche Spar-sucht ; bei dem Andern paart sich noch prahlerischer Stolz undAufwand mit der Genauigkeit und Kargheit im Hauswesen; einDritter hat noch Gelüste zum körperlichen Wohlleben, zum Zeit-vertreib und geselligen Umgang, und dabei Schmerz über jedenkleinen Aufwand, mit dem er solche Genüsse erkaufen muß; einVierter ist nicht ohne Mitleiden gegen alle Arten fremden Elendes,und doch ohne Kraft, den Forderungen seines Mitleidens zugenügen; es thut ihm weh, Andere leiden zu sehen, aber er magdoch selbst nicht helfen.
So hat der Geiz noch vielerlei Abstufungen; immer aberbleibt er — Geiz, das heißt, vorherrschende ängstliche Neigung,Vermögen zu sammeln, von dem er sich selbst und Andern denGenuß versagt; leidenschaftliche Liebe des Reichthums um desReichthums willen.
Nie hat der Sparsüchtige genug; karg mit seinem Vermögengegen Andere, darbt er selber, wenn er nicht die Annehmlichkeitendes Lebens unentgeltlich genießen kann. Immer sieht man ihn ingewinnsüchtiger Arbeitsamkeit; begehrlich lüstern nach Geschenken;absichtlich gefällig gegen Reiche; ängstlich gegen Arme; mit bedacht-samem, vorsichtigem Wuchergeist beim Ausleihen; klagend überdie schlechten Zeiten; gleichgültig, oft hart gegen Blutsverwandte,die er unaufhörlich vor Verschwendung warnt; andächtig in denKirchen, um himmlischen Segen zu erfröhnen; kindisch furchtsamvor dem Tode — absterbend für Alles, nur in seiner Selbst-sucht noch lebendig für Geld und Eigenthum. Er entzieht sichand den Seinigen gern Alles, was nicht unumgänglich noth-wendig ist; er hält sich für arm, oder zittert, durch irgend einenZufall arm zu werden; er denkt nie ohne Zagen an die Zukunft,und um nicht in künftigen Jahren zu darben, darbt er durch seinganzes Leben. So ist der Geiz der Gipfel der Armut h.