die Eintracht eurer Seelen verderben; es kann nie Argwohn,nie Eifersucht euch scheiden. Wehe, wenn man dem nicht ver-trauen darf, an dessen Brust man ruht! Brennt einmal dieHölle der Eifersucht und des Verdachts, so löscht sie nichts wiederaus, und die Brandmale schimmern überall hervor.
Ebenso raubet den Kindern durch keine lieber-eilung das Vertrauen zu euch. Lasset sic mit allen ihrenFehlern beständig offenherzig gegen euch sein. Bildet durch vor-eilige Strenge keine Heuchler. Wohin sollen denn Kinder mitihrem Vertrauen, wenn sich ihr verkanntes Herz vor dem Vaterund der Mutter verschließen muß? Haben sie einmal den Muthverloren, euch in ihr Herz sehen zu lassen, so haben sie denGlauben an die Liebe der Aeltern eingebüßt.
Ist es euch aber ein Ernst, das wechselseitige Zutrauen zwi-schen Gatten und Gattin, Aeltern und Kindern, Brüdern undSchwestern, Dienstboten und Herrschaften sorgfältig aufrechtzu erhalten, so ehret das Gute, welches sie gegenwärtig an sichhaben, ehret ihre jetzigen lobenswerthen Eigenschaften, und hüteteuch, einen von ihnen begangenen Fehler aus alter Zeit vor-zuwerfen. Da stirbt die Zuversicht, wo eine lieblose Hand unsein Vergehen wieder aufdeckt, welches wir selbst gern vor unferneigenen Augen auf immer verhüllen möchten. Verbannet, ihrAeltern, unter euch selbst dies Vorrücken einer unangenehmenVergangenheit, und duldet dies Nachtragen begangener Unvorsich-tigkeiten nie unter euern Kindern und Dienstboten. Endlich, dieletzte Schutzwehr des häuslichen Friedens 7 welche ich nennenwill, ist Liebe zur Verschwiegenheit über die inner»häuslichen Angelegenheiten.
Es sei unter den Gesetzen jedes Hauses eines der ersten,nichts von den Geheimnissen der Haushaltung und den Familien-angelegenheiten bekannt werden zu lassen. Da ist die Ruhe ver-russen, wo man Fremde, und wären es auch Verwandte, auchSchwiegerältern, um ein Vertrauen anspricht, das man nur sichselbst schuldig ist: Nur Verschwiegenheit zieht eine feste Mauerund Schutzwehr um das Heiligthum unsers häuslichen Glücks;