ihnen unter vier Augen die Unwürdigkeit ihres Betragens vor.Sie werden dich wegen dieser Schonung lieben; sie werden mitFreudigkeit dir folgen; sie werden nie vor den Uebrigen vonihrer Achtung einbüßen, und durch Gespött und Ungezogen,beiten erbittert werden.
Willst du häusliches Elend bereitet sehen? Gehe hin, wodie Aeltern das Gefühl der Zucht und Anständigkeit schon soweit verloren haben, daß sie sich schamlos vor ihren eigenenKindern gegenseitige Fehler vorwerfen. Gutmüthige Kinder wer-den schweigen, und vor ihren Aeltern erröthcn; aber dies Schwei-gen, dies Erröthen schließt nicht eine innerliche Verachtung der-selben aus. Gehe hin, wo Geschwister ihre Freude daran haben,einander Beleidigungen zuzufügen, und Aeltern gleichgültig da-neben stehen, oder dazu lächeln. Hier scheiden die für einandergebornen Seelen auf immer von einander. Gehe hin, wo eineunzufriedene Hausfrau das Gesinde mit grämlichen Blicken ver-folgt, und immer tadelt, und immer mit Schmähworten bereitist — da wird kein Segen im Hause wohnen, der Dienstbotedie Herrschaft verachten und verleumden, das Hauswesen zuGrunde gerichtet.
Nur der empfängt Hochachtung, der sie Andern gibt. Nichtder höhere Stand, sondern die höhere Tugend erweckt Ehrfurchtbei den Untergebenen.
Ein anderes Mittel zur Bewahrung des häuslichen Friedensist die Ausrottung alles gegenseitigen Mißtrauens.Wir bringen Jedem Achtung für sich selbst bei, wenn wir ihmnur das Gute zutraucn. Und wer Achtung für sich selbst hat,wird erröthen, Fehltritte zu begehen.
Gatten, die ihr den heiligen Bund für lebenslang geschlossenhabt, euer ganzes Wesen gegen einander sei Wahrheit; stelleteuch nie, auch nur zum Scherz, böse gegen einander; hintergeheteuch nie, auch selbst im Scherze nicht, mit einer kleinen List, miteiner Unwahrheit. Redet nie zu einander ohne die vollste Offen-heit des Herzens; so ist euere Gemüthsruhe für immer gesichert,euer Gewissen rein und froh. Es kann sich keine dritte Per-son zwischen euch drängen; es kann das Gift der Zuträgerei nie