zen beherrscht, da fliehet der finstere Zank aus dem Hause, unddie Unverträglichkeit, die niedrige Schadenfreude, die sich selbstmarternde Eifersucht.
Es kann ferner aber keine häusliche Eintracht bestehen,ohne gegenseitige Hochachtung in Worten undHandlungen. Kommet einander, sagt Paulus, mit Ehr-erbietung entgegen!
Der Ursprung der häuslichen Uneinigkeit liegt meistens in derAbwesenheit gegenseitiger Achtung. Dies ist die Ursache, daß beimanchen Eheleuten, welche sich in den Tagen des Brautstandeszärtlich liebten, schon wenige Wochen nach der Hochzeit Unfriedeund Zwistigkeiten den Anfang nehmen. Indem sie mit einanderkn der Ehe allzuvertraut werden, sind sie nachlässiger in derAnständigkeit ihres Betragens geworden; jene angenehmen Auf-merksamkeiten , durch welche sie sich sonst einander verbindlich zumachen suchten, werden vergessen ; man wird unbesorgter umsein Aeußeres; man ist gleichgültiger, ob man auch noch gefalle.Grobheiten löschen endlich den letzten Funken der Achtung aus;man entzweit sich über Kleinigkeiten, macht größere Ansprücheals sonst, und sucht kleine Rachen auszuüben, um Genugthuungzu haben.
Ist dies nicht die Geschichte mehr als einer unglücklichen Ehe?Wie vor andern Leuten, soll auch in der Einsamkeit unter denGatten freundliche Achtung des Andern beibehalten werden; wievor Fremden, soll auch in der Einsamkeit eine unverletzlicheSchamhaftigkeit der schönste Schmuck der Liebe sein. Jede un-anständige Behandlung des Andern ist eine Sünde gegen die' häusliche Glückseligkeit, und hinterläßt eine Wunde, welche langeblutet.
Die gleiche Freundlichkeit und Würde des äußer-lichen Betragens herrsche in der christlichen Familie auchgegenKinder und Gesinde. Jeder Tadel, jede Forderung,jede Weigerung sei mit Schonung ausgedrückt, nie von einerniedrigen Grobheit begleitet. Willst du deinen Kindern, deinenDienstboten Liebe zu ihrer Pflicht in eine Ehrensache verwan-deln, tadle sie nie vor Andern, wenn sie fehlen, sondern stelle