Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen
 

O Gott, Du weißt cs, wie der frohen Familien immerweniger werden, und der Unglücklichen Anzahl immer zunimmt!

Schon bei der Stiftung vieler Ehen wird oft der nach-folgende Unfriede des Hauses gegründet. Ohne Vorstellung vonder Wichtigkeit ehelicher Verbindungen treten Personen in dieselbe,ehe sie sich einander und ihre Eigenschaften, Fehler und Denk-arten kennen. Um einen Familiennamen und doppeltes Ver-mögen wird der Friede und die Freudigkeit des ganzen Lebensverkauft. Ach, kein Familienname versöhnt nachher das ver-waisete Herz mit der Bitterkeit des Schicksals, und das zusammen-getragene Geld wird von den Thränen unzähliger Stunden zubald ausgewogen.

Nur derjenigen Ehe ist ein glückliches Schicksal zu weissagen,wo aus der Liebe, der Denkart und den Eigenschaften der Ver-lobten erkannt wird, daß sie auch ohne fremden Beistand, selbstim Fall unvermutheter Verarmung, stark genug sind, sich empor-zuhalten, froh zu leben und glücklich zu sein.

Wir sahen dunkle Geschlechter groß und herrlich werden,und aus der ursprünglichen Armuth reich hervorgehen durch desMannes Tugend, Thätigkeit und Kraft, durch des Weibes Un-schuld, Seelengute und Häuslichkeit. Wir sahen blühende Fa-milien verderben durch der Aeltcrn Zwietracht, welche auf dieKinder hinabwirkte, und Hauswesen und Gesundheit zerrüttete.

Auch darin liegt ein Same des häuslichen Unfriedens, daßdie Neuvermählten, von falschen Begriffen irre geführt, anfangssich einander selbst zu wenig angehören, und ihr Glück in buntenZerstreuungen außer dem Hause suchen. Ehe sie sich gegenseitigan ihre Schwächen gewöhnen oder sie einander abgewöhnenlernten, waren sie durch das Getümmel der Gesellschaften schonverderbt. Der Durst nach Zerstreuungen macht ihnen die ein-förmige Ruhe des Hauses fade, und erzeugt den flatterhaftenLeichtsinn. Der Leichtsinn leitet zu Verschwendungen, welche denWohlstand des Hauses erschüttern, oder zu gefährlichen Bekannt-schaften, welchen nur zu oft Neue mit ihren blutigen Thränennachschkeicht.