ringen Alle mit sorgsamer Pflege, und das Glück der Einzelnenist die große Angelegenheit Aller.
Sehet jene arme Wittwe, die in ihrem Winkel vergessen vonaller Welt lebt. Sie sah den Leichnam eines geliebten Gattenund Freundes zu Grabe tragen. Nun blieb sie ohne Beistandund aus den Reiben der Fröhlichen verdrängt. Niemand will siejetzt in ihrer Armuth kennen, Niemand ladet sie ein. Aber be-klaget sie nicht! Sie ist reicher, als ihr glaubet. Eine frommeTochter arbeitet am Tage und beim Schimmer der nächtlichenLampe für die gute Mutter; eine Tochter, die der Pracht undden Vergnügungen ihrer ehemaligen Gespielen entsagt, um ganzder thcurcn Mutter eigen zu sein, sie zu ernähren, zu erheitern.Beklaget sie nicht! Sie schwelgt in himmlischen Gefühlen, dieman mit keinem Golde bezahlt.
Warum beweinest du den Greis, der im Gefängnisse schmach-tet, weil das treulose Glück ihn seines Vermögens beraubte,und er nicht die Schulden tilgen kann, die ihn drücken? Er istschon befreit. Ein dankbarer Sohn verkaufte sich dem KriegsHeere, und bezahlte mit seiner Freiheit die Schuld eines gelieb-ten Vaters.
O wie manche große, unnennbare Seligkeit, mitten imDrange der schwersten Schicksale, quellen aus dem Heiligthumeder Familieneintracht! Wie göttlich sind oft die Folgen derselben!Wie dauerhaft ist die Erinnerung daran! Hausfriede ist emHimmel, aber Unfriede bringt die Hölle ins Haus.
Wahrlich, beweinenswürdig ist, wem in der Mitte seinerAngehörigen nicht wohl sein kann, der seine besten Freudenaußer dem Hause suchen muß! Wohin er kommt, ist er überalldoch nur Fremdling; ach, Fremdling ist er auch in seiner Woh-nung, wo er wie ein Gast bewirthet und übernachtet wird. SeineSchmerzen muß er in sich selbst verschließen. Kein Herz legt sichtheilnehmend an das seinige. Seine fröhlichsten Stunden muß ermit Fremden theilen, und die Welt gibt ihm Höflichkeiten zurück.Er beklagt den Tag, da er seine Hand zur ewigen Verbindunghingab, und seine Kinder umringen ihn wie selbstgepflanztcDornen ohne Früchte.