schwächen will, ohne welche keine Sicherheit und Ruhe imLande wäre: warum tadelst du dich nicht, der du das An-sehen der öffentlichen Gottesverehrung schwächst, ohne welchedas Volk in zügellose Verwilderung zurücksinken würde?
Der Sonntag ist allen Christen ein heiliger Tag. TausendVölker in tausend verschiedenen Sprachen verehren Gott undbeten vor seinem Throne; nur du stehst einsam, als gehörtestdu nicht zu der großen, heiligen Familie. Ausgeschlossen vonder Gemeinschaft deiner Brüder, begleitet dich Niemand indeinem abgesonderten Wandel, als der wilde Indianer, dernoch keinen Gott kennt, und seiner Nahrung und seiner Lustnachgeht, während in der gleichen Stunde Millionen Wesenim Staube vor dem Ewigen den Unendlichen anbeten!
Wenn der Glocken Feierklänge von den Thürmen allprTempel hallten: drangen sie nicht oft mit ehernen Stimmenmahnend an dein Herz? Und war dir's nicht oft wie einRuf: „Warum schließest du dich von der Gemeinschaft derChristen aus?"
Wenn dein Blick zufällig durch die Dämmerungen des Tem-pels schweifte, und in der Ferne den einsamen Taufstein sah,wo du als Säugling einst die Weihe des Christenthums empfinrgest? wenn du die Stellen sähest am-Altäre, wo du mit from-men Rührungen das erstemal in die Vereinigung der Christentratest, und Theil nahmst an dem Gedächtnißmahle deines gött-lichen Lehrers und Seligmachers; wenn du die heilige Stättesähest, wo du einst in einem wichtigen, großen Augenblicke stan-dest, als unter dem Anruf des Himmels eine Gattin dir zurGefährtin des Lebens anvermählt ward — machte dies alles,machte nichts dir diesen Tempel heiliger?
Unglücklicher, wenn du hier nichts empfandest, so dringtmein Wort umsonst zu dir. Deine Aufklärung hat dich eingefühlvolles Herz, des Menschen schönstes Gut, gekostet; unterdeiner Erleuchtung starben deine edlern Empfindungen.
Die Feier des Sonntags ist eine ehrwürdige Stiftung, alswie das Christenthum selbst. Der Türke hält den Freitag heilig;der Jude feiert den Sonnabend; der Christ begeht an jedem