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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
15
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Allen ist die Grenzscheide zweier Jahre wichtig: dem Königeauf dem Throne, wie dem Bettler unter dem Strohdachs; demfleißigen Hausvater in der Mitte seiner Arbeiter, wie der Mutterneben ihren Kindern; dem Greise auf seinem Ruhesitze, wie demJüngling, der erwartungsvoll in die stürmische Welt hinaus-eilen will.

Wie ein großer Traum stehet hinter uns daS vergangene Leben;wie undurchforfchlicher Nebel über ein nie gesehenes Land ruhtder Rest unserer Tage vor uns. Den Schwermüthigen quälenbangere Sorgen, den Frohmüthigen umschwärmen schönere Hoff-nungen. Jeder richtet den Blick auf das Loos, welches ihm dienächsten Tage und Monate bringen sollen; Jeder möchte vonseinen Schicksalen etwas errathen, die noch in der finstern Zu-kunft verborgen, wie die Saaten jetzt im winterlichen, verschlos-senen Schoos der Erde, keimen.

Mit ungewissen Erwartungen und Besorgnissen nimmt Jederfeine Geschäfte wieder vor, und macht seine Entwürfe und Plane.Auch der Christ erneuert seinen Lauf; auch ihn umspielen Furchtund Hoffnungen. Aber mit welchen Gesinnungen tritt er beimAnfang des neuen Jahres der finstern Zukunft und seinen un-bekannten Schicksalen entgegen?

Er sucht einen Augenblick der Einsamkeit, in welchem seineSeele sich selbst angehört. Er erhebt seinen Geist im stillen Gebetzu dem allmächtigen Vater und zu seiner unendlichen Liebe. SeinMund stammelt den Dank seines Herzens. Er spricht: Ich binnicht werth all derBarmherzigkeit, Liebe undTreue,die Du mir erwiesen hast. Denn daß ich bin, und wasich habe, es kommt durch Dich! Du hast mich durch tausendGefahren geleitet, die ich alle nicht einmal kannte. Du warstgegenwärtig, wenn meine Noch und Verlegenheit am größtenwar. Du wachtest über mich und die Meinigen, wenn wir schlie-fen. Wir sahen Deine warnende Hand, wenn wir fehlten. Undwas nur geschah im vergangenen Jahr, ich fühle es, das ge-schah zu meinem Wohlergehen; und was ich jetzt noch nichteinsehe, daß cs also zu meinem wahren Besten kam, ich werdees in der Folge begreifen lernen. Denn diese heilige Ord-