IV
Standpunkte der Politik betrachtet, beyzugcben. Da ichaber eben erst dem Abte Prechtl geantwortet hatte, gabich diesen Vorsatz bald wieder auf. Zwar stehet der un-genannte Verfasser der crwahnetcn Prüfung höher als derfrcylich sehr tief gestellte Prechtl, und wäre seine Prüfunggleichzeitig mit der Prechtclfchcn Beleuchtung erschienen,so würde ich meine Antwort nicht dieser, sondern jenerentgegengesetzt haben. Er weiß seine Sophismen künst-licher und geschickter zu weben, schreibt bündiger und ge-fälliger, und verräth auf jede Weise mehr Weltkenntnis; undwissenschaftliche Bildung. Im Wesentlichen aber thcilt erdoch Prechtls Ansichten, und bedient sich, wenn gleich feinerer,doch ähnlicher Sophismen. Auch er behauptet in selt-samen Widerspruche mit sich selbst, daß Niemand den Pro-testantismus befehde, und ist doch selbst angelegentlichbemüht, ihm eine revolutionäre Tendenz anzudichtcn; aucher giebt zwar zu, daß die Reformation eine den politischenRevolutionen unsrer Tage ähnliche Erscheinung nicht gewesensey, will sie aber doch durchaus eine kirchliche Revolu-tion genannt wissen *); auch er ist ein Verthcidigcr desSystems der absoluten Gewalt, und will, daß die Völker,wie unmündige und unverständige Kinder, von Priesternund Herrschern, welche Gott zu seinen Stellvertretern undzu Verwesern seiner Macht eingesetzt habe, gegängelt
*) Um die Reformation unter den Begriff der Revolution brin/gen zu können, giebt er S- 13. folgende Erklärung vondem Wesen der letzter«: „Revolution überhaupt ist diegewaltsame Veränderung des bisherigen Zustandes einerSache." Sollte diese Erklärung nicht etwas zu weit ge,faßt seyn? Ein Baum ist eine Sache; wer ihn unihaut,verändert seinen Zustand auf gewaltsame Weile, dennArt und Beil sind keine sausten Mittel; mithin würde,nach dieser Erklärung, jedes Fälle» eines Baumes eineRevolution, und folglich jeder Holzhackcr ein Revolutio-när seyn.