Druckschrift 
Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
Seite
155
Einzelbild herunterladen
 

§. 47 .

Stelle deine verständige sogenannte weise Heiden nichthier zur Schau aus und prahle, wie groß ihr natür-liches Licht, ihr Licht ohne Christus sey; die wahren Chri-sten kennen wohl dieses Licht, sie kennen es als die matteDämmerung einer Nacht, von einigem Sternenlichte durch-schimmert , wo eben die Täuschung und der Trug in ihremächten Elemente sind, wo der Schein die Wirklichkeit, woder Wahn oder eine gewisse Form, dieses oder jenes selbstgeschaffene Bild die Wahrheit ersetzen soll. Meinest du,in solchen Träumereien, Bildern, Voraussetzungen undgrundlosen Schlüssen suche oder schaue der ächte Christ dieWahrheit? Wahrlich da suchet er nicht, weil er weiß, daßhier nichts zu finden ist; ihm hat sich die Wahrheit selbstgeoffenbart, er hat sie in Gott erkannt, in dem menschge-wordcnen Gott, in Seinem Leiden und Tode, das warund ist seine Schule, in dieser stehet und lebt er, er hathier die Wahrheit, er hat Gott und Christus erlebet underfahren. Was Andere suchen da oder dort, das ist ihm er-schienen in seinem Inneren, er glaubet nun nicht nur, erweiß es, daß sein Erlöser lebt, in seiner Seele leuchtetSein Licht , Sein Leben, Seine Wahrheit. So schweigeoann von deinen alten Heiden, es leben ja noch die neuen,und wir kennen sie als folgsame Nachbeter der alten: siesind gar behende und vorschnelle Sprecher, zierliche Rede-künstler, denen für jede Sache die Worte zu Gebote stehen;denn Worte und gewisse Formen vertreten auch bei ihnen,wie bei jenen, die Wahrheit 'Ihre besondere Stärke

*) — Bor allen andern Sachen

Mußt ihr euch an die Metaphysik machen!Da seht, daß ihr tiefsinnig faßt,

Was in des Menschen Hirn nicht paßt,Für, was drein geht und nicht drein gehtEin prächtig Wort zu Diensten steht. —Im Ganzen — haltet euch an Worte!Dann geht ihr durch die sichre PforteZum Tempel der Gewißheit ein. —

Denn eben wo Begriffe fehlen,

Da stellt ein Wort zu rechter Zeit sich ein,