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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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Gottes Wesen ist die ächte göttliche Wahrheit, die reineSeele gehet gerade ein; was dich hindert an diesem ein-fachen Eingehen, das werfe von dir, entsage allen Krüm-mungen und verdächtigen Umwegen, die Einfalt des Evan-geliums führet auf dem geradesten und kürzesten Wegezur Wahrheit; jeder Weg, den es nicht zeiget, ist einWeg, auf dem die Diebe und Mörder Hausen, wo derWiderchrist verführet. Halte fest an der Lehre Jesu Christi,dann kannst du nicht irren, nicht betrogen werden; lassedie Anderen, die da draußen sind, lehren, was sie wol-len und mögen, höre sie nicht und sie werden dir nichtschaden. Lasse Andere dich urtheilen als Einen, der dastünde auf seinem Eigensinne, lebe du nur nach der LehreChristi, und achte dergleichen Urtheile nicht; es ist dirnütze, von Anderen so gerichtet zu werden, das giebt dirAnlaß und Gelegenheit, dir immerrnehr abzusterben, wasdu ja willst. So lange du lebest nach der Lehre unseresHerrn, so lange bist du dir selbst entfremdet, denn wahreAbtödtung seiner selbst lehret einzig nur das Evangelium.

Z: 24.

Wir haben nun die Ursachen angegeben, warum esso nothwendig sey, daß der Mensch sich selbst absterbe;jetzt wollen wir denn auch kennen lernen,*wie ersprieß-lich und nützlich dieses Sterben sey. Dieses Sterbenseiner selbst und aller sündlichen Lust, alles eitelen Selbst-vertrauens, aller irreführenden Phantasterei und gefähr-licher, selbstgemachter Träumerei, vom Satan gegebenoder selbst geschaffen, ist in fünffacher Hinsichtheilsam und ersprießlich.

Der erste Nutzen, der daraus entspringet, ist: derMensch nahet sich so seinem ersten Stande der Unschuldwieder, wo er Sünde und Gebrechen frei war, wo Got-tes Friede und die Freude des heiligen Geistes in seinemGemüthe wohnte; nachdem er aber gesündigct hatte,nahm die böse Lust und die sündlichen Neigungen imUebermaaße in ihm überhand. Das alles soll nun an-ders in ihm werden, die bösen Lüste sollen und müssen

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