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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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weil unsere Natur durch Adams Fall voll böser Lust undsündlicher Neigung geworden ist, so muß diese bekämpfetwerden; sie reget sich täglich und stündlich, darum kämpfetäglich. Dieser tägliche, ja oft stündliche Kampf ist aller-dings ein Sterben, und zwar ein fortwährendes Sterben,denn nie werden die Sinne, nie wird die Sinnlichkeit hie-nieden aufhören, dich zu locken und zu reihen, ihnen nunmußt du unaufhörlich widerstehen. Wohl können deine hö-heren Kräfte, dein vernünftiger Wille unter der strengstenZucht und dem innigsten Gehorsame Gottes stehen, daßdu nichts wollest, als was Gott will, daß du mit Paulussagen könnest P:Wir find gestorben in Christo, und un-ser Leben ist verborgen mit Christo in Gott." Aber diesinnliche Neigung, deine niederen Kräfte sind dennoch nichtgestorben, noch glimmet der gefährliche Zunder, daß ernicht ausbrcche und schade; dagegen muß deine höhereGott hingegebene Scelenkraft, dein vernünftiger Wille käm-pfen und ihn zum Sterben bringen, so daß die unruhigenSinne immer stehen unter dein strengsten und genauestenGehorsame des gereinigten Willens, der zu Gott gekehretist. Wer dahin gelanget ist, daß die Sinnlichkeit nichtswolle, als was der Geist, und dieser nichts will, als wasGott will, der ist in den reinen, ursprünglichen StandAdams eingetreten, wie er aus Gottes Handen hervor-ging, der ist rein, er ist der wahre Gerechte, ohne Sündeund Gebrechen. Das wäre aber ein ganz besonderer Zugder Gnade Gottes an einer Seele, was einzig Sein Werkund eine wahre Seltenheit wäre; die bist du aber nochnicht, du bist noch ein gebrechlicher Pilger hienieden, hastnoch nicht ausgekämpfet, darum kämpfe fort, sterbe täg-lich, damit dir das Leben werde.

§. 23 .

Zweitens, lebest du ja wohl nicht allein in derWelt; die Welt und der Satan sind in der Nähe, sind

) Col. 3, 3.