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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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tung der bekannten zehen Gebote. Die zwote und erha-benere, auf der sich die Liebe reiner erproben soll, ist dieLehre des Evangeliums, die man unter dem WorteRä-the des Herrn" verstehet und worin er uns mahnet undrufet. Ihm nachzufolgen in einem entäußerten Leben, mitden WortenWer Mir nachfolgen will, verläugnesein selbst."

§. 2. '

Diesessich selbst, sein selbst", was verläugnet wer-den muß bei der Nachfolge Jesu Christi, bestehet in vierDingen. Das erste ist des Menschen sündliche Ge-brechlichkeit, sein Fallen in die Sünde. Dieser Sündenun und dieser Neigung zu ihr soll er täglich sterben undsich hier mit allem Ernste verläugnen. Das zweite istdes Menschen Neigung auf die Kreaturen; er sucht näm-lich und will seines Gleichen. Diese Neigung nun soller todten und von den Kreaturen sich möglichst fernen,denn Gott und das Geschöpf können in einem Herzennicht wohl zusammen stehen; soll Gott in der Seele woh-nen, so muß die Kreatur draußen bleiben. Drittenssoll der Mensch aller fleischlichen Lust entsagen, denn desFleisches Freude schließet Gottes Trost und Freude aus;wer anderswo Trost suchet, nämlich außer Gott, sagtder heilige Bernardus, der wird Gottes Freude und SeineTröstungen nie erfahren. Viertens soll der wahre Nach-folger Christi nicht nur der rohen Fleischeslust, sondernauch jener geistigen und doch nur natürlichen, folglichjener feinern Naturlust entsagen, die er aus der Erkennt-niß geistlicher oder natürlicher Dinge schöpfet. Der Menscherhebet sich durch Verstand und Vernunft gar wohl überdas rohe Irdische hinan und erschwinget sich in Vorstellun-gen, in Formen und Bilder des Geistes, und reich wirdsein Geist an mancherlei Kenntnissen und Beobachtungen,was ihn denn hoch erfreuet; diese Freude aber ist doch

Luc. 9, »Z.