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Gott einmal recht kennet, der kann nicht mehr fallen inSünde zum Tode; hätte Lucifer reckte Kenntniß Gottesgehabt, nie wäre er dem ewigen Tode Heimgefallen. Durchdieses Hinwenden alles unsers Erkenncnö auf Gott, wirddas natürliche ein göttliches Licht, unser Kennen ist ausdem Lichte Gottes, und nicht mehr natürliches Kennen.Nimm eine Aehnlichkeit wahr an der Sonne. Gehet sieauf, so verwandelt und nimmt sie alle Lichter in ihr Lichtauf, da sie das höchste und stärkste Licht ist, und sie leuch-tet dann allein mit ihrem Liebte. Gleiches geschieht ineiner reinen Seele; gehet in ihr die göttliche Sonne auf,dann verwandeln sich alle Lichter in ihr Licht, so, daßkeines mehr scheinet, als das göttliche, denn Gott ist dasLicht über alle Lichter. Leuchtet Er nun mit Seinem Lichte,so ist es ja wohl billig und recht, daß andere Lichter un-tergehen, sie seyen nun Lichter der Natur, oder selbst derGnade; nicht zwar in dem Sinne, daß das natürlicheLicht zu nickte und gänzlich aufgehoben wäre, als wärees ein Unding, sondern verwandelt, veredelt, erhöhet wirdes in ein göttlich Licht; geht die Sonne auf, dann gehetdas Licht des Mondes verklärt und gemehrct in das Son-nenlicht über, so auch hier. Darum spricht der heilige Au-gustin: „Gott zerstöret nicht die Natur, Er ordnet sie,und machet sie vollkommen."
§. 42 .
Deshalb ist es auch zuweilen, und im gewissen Standedes Menschen wirklich nöthig, jeder natürlichen Erkenntnißzu entsagen, so wie es wieder in einem andern Verhältnißsehr gefehlet seyn würde, diesem natürlichen Lichte und Er-kennen nicht nachzuspüren und dasselbe gehörig auszu-bilden.
Entbehrlich nun, ja entsagen muß der Mensch diesemnatürlichen Erkennen, wenn er so weit gekommen ist, daßsein Erkenntniß jede Erkenntniß und jeden Unterschied der-selben durchgegangen, und er auf diese Weise den wahrenUnterschied der Wahrheit ergriffen und inne hat; dann soller allem natürlichen Unterscheiden sich entziehen, und. sich
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