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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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Z. 2.

Fragst du, wie das möglich sey, da doch alle Dingevon einander ahhangen, eines von dem andern erhaltenwird, sollte denn der Arme im Geiste allein von keinem Ge-schaffenen abhängen? Wirklich hangt er von keinem Ge-schaffenen ab, noch hangt er ihm an, alle geschaffenenDinge sind unter ihm, nur von dem hangt er ab, undnur dem hangt er an, was über alle Dinge erhaben ist,der heilige Augustin nennt es das Beste aus allen Dingen,nämlich Gott; Ihn allein sucht die wahre Armuth, Ihm al-lein hangt sie an, von Ihm allein banget sie ab, undsonst von keinem anderen; das ist aber auch gerade derhöchste Adel der Armuth, daß sie allein, und Alles aus-schlieffend, dem Allerhöchsten anhanget, und sich alles Er-schaffenen, alles Niedrigen, so viel möglich, entlediget,und frei machet.

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Was Einige von der höchsten, lautersten, und wah-ren Armuth des Geistes behaupten, dass sie nämlich darinbestehe, wenn der Mensch wieder so sey und werde, wieer war, da er noch nicht war, da nämlich, sagen sie,verstand er nichts, da hatte er keinen Willen, da war ergleichsam Gott mit Gott; das wäre allerdings wahr,wäre es nur möglich; denn der Mensch, als ein geschaffenesWesen, musi auch menschliches Wirken, muß Willen undVerstand haben, er muß Gott erkennen, und lieben, da-von hangt seine Seligkeit ab, wie der Jünger Jesu, Jo-hannes, spricht 'I:Das ist das ewige Leben, daß wirDich Vater erkennen, und, Den Du gesandt hast, JesumChristum."

Wenn es möglich wäre, wie es aber wahrhaftig ummöglich ist, daß eine Kreatur, was die Wirkung betrifft,gar zu nichts, und so arm würde, als sie war vor ihrerErschaffung, das ist, daß sie auf solche Weise mit Gort

*) Joh. . 7 , 3.