Druckschrift 
Betrachtungen über die Oeffentlichkeit und Mündlichkeit der Gerechtigkeitspflege
Entstehung
Seite
387
Einzelbild herunterladen
 

beschwerlichen Wächter unnöthig zu füttern, die Schaafelieber sogleich ihm selbst zu unmitlelbarem Schutze ver,trauen: dann wüste jedermann, was solche Rede für

eine Bedeutung habe. Aber das scheint man nickt im-mer einzusehen, was es bedeutet, wenn zuweilen Rich-ter und Gewaltige wider die Nutzlosigkeit uttd Vcrderb-lichkeit des Advokatenstandes eifern.

Denke man sich aber auch solchen Richter als Lilienvollkommen gerechten, den Wider jede Versuchung zuabsichtlichem Mißbrauch seiner Gewalt die Reinheit sei-nes feiten Willens sichert; gebe mau demselben zugleich,nebst den vollkommensten- ihm stets gegenwärtigenKenntnissen, die sicherste Ürtheilsktaft mit jenem for-schenden Scharfblick, welcher in gegebenen Bruchstückenahnend sogleich das Ganze erkennt und bei uNvollstän-dig gegebenen Thatsachen die ganze, oft lange und ver-worrene Reihe voü Möglichkeiten übersieht, welche de-ren rechtliche Natur verändern können (als wodurch al-lein er in Stand gesetzt wird, den im Dünkel liegendenGegeNdeN, welche die Wahrheit verbergen, Nach richti-gem Plätte zuzusteuern); Matt gebe demselben endlich,Nebst der strengsten Unpartheilichkeit des Willens, auchjene reine Unbefangenheit des Geistes, welche ihn,VHNe daß er sich lM mindesten mehr dahin öder dorthinneige, stets genau zwischen beiden Streitenden im Mit-telpuNkie halt, so daß er nie durch dunkle Gefühle undvorgefaßte Meinungen, ihyl selber nnbewust, dem In-teresse des Litten weniger diettt, als dem Interesse desändern, Und Nicht schärfer sieht, Nicht rüstiger forschtfür diesen als für jenen; kurz man gebe ihm alle dieseVollkommenheiten , mithin weit mehr - als die Mensch-liche Natur bei gewöhnlichen d> i» bei den allermeisten

26 ^