Druckschrift 
8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
474
Einzelbild herunterladen
 

474

fremder Gewalt. Um Erbarmen, Da Allbarmhcrziger, flehtzu Dir der Bedürftige, welcher den letzten Bissen mühsam er-worbenen Brodrs mit Thränen netzte. Um Gnade und Scho-nung ruft zu Dir, Allgnädiger, der Unglückselige, welcher,einst begütert gleich Hiob, nun verlassen umherirrt, vergessenvon seinen Freunden, verstoßen von Undankbaren, und dasMitleid fremder Herzen anspricht. Um Barmherzigkeit schreitzu Dir die verzagende Armuth, welche, hinausgeworfen ausder heimathlichen Hütte, kaum ihre Blöße gegen des WintersStrenge decken, und in den Stürmen kaum ein schützendes Ob-dach finden kann.

Verheerend zog das Kriegswetter über einen ganzen weitenWelttheil; schaudernd sahen die Nationen das Herannahrn des-selben; das dumpfe, bange Gerücht lief voraus, und töstetealles Lächeln der Freude, und lähmte allen Muth zum Gutenund Bessern. Der Sturm wälzte sich näher. Feuer und Schwertfraßen den Wohlstand glücklicher Städte und Landschaften hin-weg. Die Felder wurden öde ohne Aernte. Schwarze dampfendeBrandstätten bezeichnten die Lage ehemaliger Dörfer. Ueberganze Geschlechter sonst begüterter Sterblicher schwang der Würg-engel schonungslos das zweischneidige Schwert. Er zog vor-über. Von Blutstropfen war seine Straße besprengt. Der bleicheHunger und pestartiges Fieber schlich hinter ihm her. Die Leben-den weinten über den Leichnamen der Tobten, und suchten unterder Asche ihrer ehemaligen Hütten das Letzte hervor, was ihnenein kummervolles Dasein fristen konnte. Empor von den Aschen-haufen und Leichnamen strecken sie ihre Arme jammernd zumHimmel: Vater des Lebens, Erbarmer! willst Du uns ewiglichverstoßen, und keine Gnade mehr erzeigen? Es steigt aus tau-send und tausend Dir geweihten Tempeln das Geschrei undFlehen der Nationen: Sei unser Retter, o Du, der alleinMacht hat, aus dem Elende zu retten, die auf Deine Gnadehoffen. Wie lange wird Deine furchtbare Strenge über unswalten; wann wird Deine Güte wieder auf uns niederlächeln,daß wir uns in der Seligkeit des Friedens erquicken, und DeinesSegens freuen können! O Du, dessen Wink aus dem Tode das