wird zum leeren Namen, ohne Bedeutung; die Liebe des Fürstenund Vaterlandes ergießt sich höchstens nur in kalte, üblicheSchmeicheleien. Der Leichnam des Staates steht noch; aber dieSeele ist fast davon gewichen — aber der Sturm kommt undentgiftet die Lust, und die zusammen getriebenen Wellen reinigensich von der Fäulniß. Die allgemeine Kriegsnoth, da Alles inihr den Untergang droht, ermannt die trögen, eigennützigenBürger aus der Sicherheit. Zum erstenmal fragen Tausendenach ihren Mitbürgern, schwören Tausende in Noth und Todzusammenzuhalten, rufen Tausende das gemeinsame Vaterlandund dessen Ehre an, segnen Tausende mit aufrichtigem Herzendie Fürsorge des Landesfürsten, der Leid und Freude mit ihnentheilt und trägt. Die allgemeine Noth gleicht den Unterschied derStände aus; der Arme hält sich am Reichen; der Reiche findetSchutz durch den Armen. Das ganze Volk wird wieder eineeinzige Brüderschaft, die einzige Familie eines treuen Landes-Vaters, und die größte Stadt nur zum steinen Punke im Vater-lande.
Und wie in der Kriegsgefahr alle Bürgertugenden sich mitbewundernswürdiger Macht entwickeln, um das Ganze zu retten:so erwacht in der Brust jedes Einzelnen wieder der Sinn fürChristentugend, ungeheuchelte, tief empfundene Religiosität,welche weit entfernt von jenem schlaffen, äußerlichen Gcwohn-heitswerk ist, das oft den Namen des edelsten aller Kleinodeführen muß. Es erhebt sich in der Brust ein stärkeres Ver-trauen zur Allmacht, ein felsenfester Glaube an Tugend, Rechtund Vorsehung, ein Glaube, der alle Waffenkünste besiegt,und alle Erdenmacht und alle Feindeslist zuletzt zu Schandenmacht.
Dies ist die Frucht der Kriegsnoth. Sie ist der Staaten undder Menschen bittere Arznei, die Jeder mit Schaudern meidenwill, und endlich doch ergreifen muß.
Und betrachte ich den Krieg aus diesem Gesichtspunkte: sowird mir sein Dasein in der Welt nicht unbegreiflich, sondern icherkenne selbst die Nothwendigkeit seines Erscheinens. Ich lerneGottes Weisheit in den Kriegsstürmen, die er verhängt, an-