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Gräber! Aber die frohen Augenblicke find.genossen und ver-gessen, die Seufzer verweht, die Thränen vertrocknet, die
Sorgen vertauscht, die Gräber eingesunken-was ist mir
geblieben? — Ein wundes Herz, ein getroster Muth, undmehr als Alles, eine Erfahrung, reich an mancherlei Lehre.
Lebe wohl, Vergangenheit! Was ich hatte, wird mir nichtwieder. Du hast meine Freuden und meine Schmerzen mit dirgenommen. Andere bringt mir die Zukunft. Mein Dasein tstkein Verweilen, sondern eine Reise, ein Flug durch die Lebens-stunden, ein Flug durch die Ewigkeit. Ich wandte mich nachmancher freundlichen Blume, die mir an der Brust einer kom-menden Stunde entgegenblühte; und ehe ich sie der geizigenStunde entriß, war ich längst von ihr getrennt, und was ichnahm, welkte, ehe ich es kannte.
Lebt wohl, o ihr meine lieben Tobten! Ach, der letzteBlick, den ihr mir gäbet, das letzte Wort eurer theuern Lippen,der letzte Gedanke eures liebenden Geistes an mich — wie fernist das Alles schon mir! — Stunden, Tage, Wochen, Mondendrängten sich zwischen euern letzten Seufzer und mich. Ihr seidBürger einer fremden, einer bessern Welt. Aber meine Liebefolgt euch nach, begleitet euch durch die Gefilde der Ewigkeit.Ich bin euch nahe, ihr bleibt cs mir. Noch einige Stunden,Tage, Wochen oder Monden, und wir haben uns wieder; ich binvollendet, wie ihr!
Ich stehe am Ausgang eines Jahres — meinem Sarge umein Großes näher ; vielleicht sind heute über zwölf Monden meineAugen schon geschlossen, ist mein Herz gebrochen; vielleicht weinendann andere Augen noch um mich, und andere Herzen trauernmir nach. Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras; er blühetwie eine Blume auf dem Felde. Wenn der Wind darüber geht,so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.(Ps. 103, 15. 16.)
Alles blühet eine Weile, und welket wieder. Wie die Tageund Nächte, wechseln auf Erden die Erscheinungen der Men-schen, der Völker und Reiche, die Freuden und Thrämn. Wirkönnen glauben, daß jede Stunde des Tages die Sterbestunde