Druckschrift 
8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
426
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Ewigkeit? Gab er uns den vernünftigen Geist nur, daß wir alsklügere Thiere die andern Mitgeschöpfe überlisten oder unschäd-lich machen, daß wir unserm Leibe größere Bequemlichkeiten,unserm Gaumen reizendere Nahrungsmittel, unfern Gliedern fei-nere und mannigfaltigere Bekleidungen bereiten sollten: warumsandte er den großen Offenbarer der Himmelswahrheiten in dieWelt, neben welchen alles Gut der Erde gering oder verächtlichwird? Sandte er den Offenbarer nur darum in die Welt,auf daß wir, nach seiner Vorschrift, bloß hienieden ein ruhigesund stilles Leben führen möchten, uns verträglich, ordnungs-mäßig, nicht Einer dem Andern zum Verderben, beisammen-wohnen möchten: warum erweckte er durch Jesum inuns Glauben und Sehnsucht nach der Ewigkeit?Wir konnten, bloß für diesen Erdentraum bestimmt, auch ohneden Gedanken an das Jenseits froh werden. Erweckte und ent-flammte er Glauben und Sehnsucht zur Ewigkeit nur darum inunserer Brust, damit die, welchen hienieden ein Schmerzenslossfiel, sich mit Hoffnungen abfinden und in einem süßen GlaubenHegen alles Ungemach des Daseins berauschen und betäubenkönnten: o, so wäre das Schlechteste in der großen Schöpfungdas alleinige Kleinod, und das Köstlichste des Geistes, das Gött-lichste , eine wahnsinnige Täuschung; so wäre Gott kein Gottdes Lebens, sondern des Todes; nicht des Ewigen, sonderndes Staubes so wäre der Sterbliche, welcher den Gedankender Ewigkeit, die Anbetung des vollkommensten Wesens in sichaufnahm, erhabener, als die vermeinte Gottheit selbst.

Nein, nein, die Stimmen der weiten Natur lassen sich nichtüberhören, die Gesetze der Vernunft lassen sich nicht zerbrechen,und der Zweck der Erscheinung des Mittlers und Offcnbarersläßt sich durch dm frechsten Witz nicht hinwegläugnen. Es istein Gott; und Gott ist die Liebe; und seine höchste Liebeoffenbarte sich darin, daß er uns den heiligen Weltbefreierund Erlöser sandte, den ewigen Sohn.

So feiere ich die Offenbarung der höchsten Liebe des Wclt-schöpfers an dem Tage, da Christus Mensch ward und zum ersten-mal an der Mutterbrust der himmelreinen Jungfrau lächelte.