Gottes. Wer recht thut, und Gott fürchtet, der istGott angenehm!
Es werden nach uns noch Jahrtausende verstießen; es wenden nach uns zahllose Menschengeschlechter untergehen mit ihrerWeisheit und Thorheit; es werden prachtvolle Städte, die heuteblühen, Schutthügel in Wüsten werden, und Thronen, vordenen heute die Völker knechtisch zittern, verschwunden sein,wie ein Staub, welchen der Wind hinter den Fersen des Wan-derers verbläset: aber Jesu Lehre tritt unveraltet mit beseligenderMacht bis in die fernsten Tage zukünftiger Zeitalter, und bleibt,so lange auf der Erdkugel das Geschlecht der Sterblichen wandelt,dem dieses Wort des Heils gegeben ward durch den ewigen Sohn.
Mit diesen Betrachtungen will ich das Fest der Geburt Jesufeiern — die große Geburtsstunde des Weltglückes, den Tag,an welchem sich das höchste aller Wesen im Menschen offenbarte.Erst dadurch, daß ich mir das Verdienst des Welterlösers leb-hafter darstclle, beflügelt sich meine Andacht, entzündet sich dasEntzücken meiner Seele zur lautern Freude.
Ich will die Allmacht bewundern, welche das Senfkorn zumgewaltigen Baum entwickelte, in dessen segnendem Schatten alleVölker der Erde Erquickung finden; die Allmacht, welche ausdem unbedeutendsten Anfänge die ungeheuersten Begebenheitendes Menschengeschlechtes hervorrief. Ich will sie mir wieder-holen, die Thaten des Göttlichen von seinem ersten Schlummerin der Bethlehcmischen Krippe bis zum Todesschlummer amKreuze auf Golgatha. Wie groß, wie göttlich ist er überall!
In ihm, in seiner Erscheinung erkenne ich die Wahrheit,daß Gott die Welt geliebt hat und liebt, und daß er unsnicht für einen flüchtigen Tag unter den Sonnen,sondern für eine Ewigkeit erwählte, und aus demtodten Nichts an das Licht des Bewußtseins zog.Wäre es unsere Bestimmung gewesen, gleich den Thieren desFeldes geboren zu werden, unter Weh und Lust zu erwachsen,unsere Nahrung zu suchen und wieder hinabzusinken als Staubin den Schoos der Erde — warum gab uns die ordnende Handdes Allweiscn diesen vernünftigen Geist voller Anlagen für eine