Druckschrift 
8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
409
Einzelbild herunterladen
 

409

gehen willst, wie soll ich vor Dir bestehen? Das Gute, wasich harte, war ein schwaches Wollen: aber ach, Leichtsinn,Uebereilung, Leidenschaften aller Art überwältigten das Gutewieder in mir; und Eitelkeit entriß selbst mancher guten That,die ich zu vollbringen Muth hatte, den geringen Werth. Wieoft mangelte mir die Liebe, wie oft die Standhaftigkeit, wieoft die Demuth der Tugend!

Errette mich, Gott, aus der bangen Mutlosigkeit, in dieich versinke, wenn ich an meine Fehler und Schwachheitendenke, an Alles, was ich öffentlich und insgeheim gegen Dichund meine Mitmenschen gesündigt habe; denn ich verzweifelte' an meiner Kraft, jemals zu werden, der ich sein soll nachDeinem Willen und meines Jesu Lehre. Und könnte ich meineHoffnung, mein Vertrauen nicht auf Deine Gnade setzen: waskönnte mich trösten, was mich über meine Zukunft nach derVe>wandlungsstunde des Todes beruhigen?

Du aber, mein Erbarmer, bist mein Trost, meine Zuversicht!Ach, nimm meinen Willen doch für eine halbe That, mein Be-mühen für ein halbes Erreichen, meinen Kampf für einen halbenSieg. Vergib mir meine Schuld! Wie oft strebe ich empor,und sinke ohnmächtig zurück!

Vielleicht aber ist das ganze Leben nur ein Kampf gegendas Böse; und der hat schon Gnade vor Dir, der, wenn er^auch nicht immer obsiegen konnte, doch nie mit Vorsatz, Willenund Lust im Streite gegen die Sünde unterlag.

Und ermüden will ich in diesem Kampfe nach Vollendungnie. Als Dein Kämpfer will ich sterben, glaubensvoll, hoff-nungsreich auf Dein Erbarmen, o Du, der immer mehr ge-währt, als wir verdienen können. Amen.