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rischen Gelüste stillen, eine thierische Größe erreichen. Was manihnen von Tugend sagt (dem ewigen Gottesgesetze), scheint ihnenalbern; sie möchten es gern für albern halten. In prächtigenKleidern gehen, auf weichen Lagern ruhen, in zierlichen Häusernwohnen, köstliche Speisen und Getränke haben, über Vieles ge-bieten und schalten, Alles neben sich Niederdrücken können, alleinhoch stehen, Vieles wissen, klug sein, listig berechnen, unwider-stehbar handeln können—das ist rhnen, als einer Art vollkomme-ner Thiere, das Allerhöchste. Von höher» Dingen haben sie keineVorstellung, so ganz vcrchiert sind sie. Spricht man ihnen vonTugend, von Religion, dünkt es sie lächerlich. Spricht manihnen davon, daß sie für den wahren Adel des Geistes allesIrdische ausopfern müssen: so glauben sie, es sei Wahnsinn.
Personen dieser Art (sie sind gewöhnlich die in sich selbstUnglücklichsten) haben eine große Neigung, wenn sie auch nichtden Schöpfer aus der Schöpfung hinwegläugnen können, dochLaö ewige, Alles durchhcrrschende Gesetz der Tugend hinwegzu-läugnen. Sie möchten sich selbst gern einbilden, daß Gott aufunsere Handlungen nicht achte; daß überhaupt Frömmigkeit undTugend Erfindungen der Schule, Vorurtheile aus Kinderjahren,Zaum und Zügel unterthäniger Völker in den Händen der Herr-scher sind. Was nützlich ist, das halten sie für klug, das Klugefür wahr, für gut. Was Vortheil bringt, halten sie für Recht,was ihnen schadet, für Unrecht. Jedes Mittel halten sie erlaubt,ihren Zwrck zu erreichen, nur nicht jedcs für klug.
Bei dem Allem erschrecken sie, wenn sie wahrnehmen, daßin der Welt zwar allerlei Religionen sind bei den verschiedenenVölkern, aber bei allen Völkern doch nur einerlei Tugend!Es ist also etwas Bleibendes für den menschlichen Geist, wasseine Bestimmung betrifft, seine Handlungs - und Denkart angeht,und Mancher sich selbst richtet und von Andern gerichtet wird.Die Tugend (oder der Gotteswille) ist also nichts Veränderliches,nichts Zufälliges. Der fromme, rechtschaffene Mensch wird inder ganzen Welt, von aufgeklärten, wie von wilden Völkern,geehrt, und ihm weit mehr, als den Schlauen und Klugen, ver-traut sich das Herz des Andern. Hingegen der Bösewicht, ohne