Nur mit der großen Lebenschätigkeit, die ich Tod nenne,tritt ein lebhaftes Spiel von Trennung und Verbindung undWechsel meiner Bestandtheile ein. Es scheidet sich, wie imHerbst die Lebenskraft von der welkenden Pflanze, mein Gei-stiges von dem Ungeistigen an mir, was ich Irdisches nenne.Mein Gott denkendes Ich tritt im großen, immer regen Lebens-gcdränge des Weltalls mit andern. Stoffen und Dingen in Ver-bindung. Mein abgefallener, Staub gewordener Leib aberdauert im Weltall Gottes irr andern Verbindungsarten fort;er gehört mir so viel und so wenig an, als das ganze gött-liche Weltall. Und ich, das Gott denkende Ich, der dasWeltall erkennende, anschaucnde Geist, ich dauere ebenfallswie der Staub ewig fort im Ewigen.
Bin ich denn ein anderes Wesen, wenn ich mich heute andersbekleide, als ich gestern that? Nein, ob ich gestern schlechte, heutebessere Kleider trug: ich bin derselbe in beiden. So wenig dasKleid, welches ich anlege, zu mir gehört, eben so wenig gehörtder Leib zu mir, den ich im Tode wie ein Kleid des Geistes ab-lege. Der ich im menschlichen Leibe gewesen bin, werde ichwieder sein in andern Verbindungen. Denn ich bin Ich, undbleibe derselbe Geist, wie mein Leib derselbe Staub bleibt,der er war.
So trage ich also aus dem Augenblick, welchen ich irdischesLeben nenne, mich selbst und'meinen Werth oder Unwerth inandere höhere oder niedere, herrlichere oder traurigere Ver-bindungen hinüber. So wird wahr, was die heilige Schriftsagt: meine Werke folgen mir nach.
Und darum selig sind die Todten, die in dem Herrn sterbenvon nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrerArbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. (Offenb. Joh.14 , 13 .)
Unsere Werke folgen uns nach! denn zwischen Zeit undEwigkeit ist ein unzertrennbarer, inniger Zusammenhang; in-niger als zwischen dem im Meere verschwimmenden Wasser-tropfen mit dem Meere selbst. — Das All ist nur EinS.