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wir nichts haben, als unsere Tugend, und daß Alles in DeinerMacht liegt, aber nichts in der unsrigen. Und wenn wir diesvergessen, dann fangen wir an, uns und unsere eigene Bestimmungselbst zu vergessen; dann ist es wohlthätig, daß eine große War-nung in das Leben eintrete, daß wir aufgerissen werden ausunfern Täuschungen und Träumen, und erinnert werden: Hierist kein Stillstand, hier kein Bleibens! Denke an die Erhebungdeines Geinüths durch Wahrheit, an die Veredlung deines Geistesdurch Jesum und die Erfüllung seines Wortes. Nur der Tugend-hafteste ist der Beglückseligte, nur dem Heiligen gehört, hier wiedort, das Heiligste.
Darum will ich mich fassen. Ich will die Stimme der Religion,die Stimme der Wahrheit hören — und hörte ich sie nicht, würdeich nicht meine Leidenschaftlichkeit noch viel härter büßen muffen?Wenn mich ein Unglück nicht weiser machen konnte, verdiente ichnicht, durch noch größeres Unglück erweckt zu werden? Ich willaufhören, einer fruchtlosen Schwermuth zu gehören, und nichtlänger damit mich zu höhern Pflichten gegen Gott und Welt un-fähig machen. Ich will mich nicht ferner trübsinnigen Einbildungenpreis geben; mich nicht mit den Vorstellungen quälen, ob ich fürmeinen geliebten Verstorbenen genug gerhan habe; ob ich nichtvielleicht in seiner Besorgung während seiner Gesundheit oderKrankheit etwas versäumt habe. Wäre dies je geschehen, so wares der Wille der Vorsehung. Was konnte der Mensch mit seinenbeschränkten Einsichten und Kräften!
Gott wollte den Tod meines Vielbeweinten — er war zubessern Welten reif. Ehe ich athmete, ehe mein Verstorbener war,hatte Gott die letzte seiner Stunden bestimmt. Der Keim seinerSchicksale entfaltete sich mit dem Augenblick, da er das Lrchr derWelt erblickte; seine Verhängnisse wirkten auf ihn von allenSeiten ein. Er lächelte noch fröhlich im Kreise der Seinigen,als sein Sterben anfing, und der Todescngel über ihm schwebte.Daß er enden und in dem Augenblick enden mußte, da es geschah,war die Frucht einer längst gewesenen Minute, die er nicht kannte.Aller Beistand des Arztes, alle meine Hilfe hätte seinem Lebenkeine Spanne breit zusetzen können. Das schöne Licht sollte er-