lichcs Uebel? Groß ist mein Gram, o Vater! aber noch größermein Glauben an Deine Vatersiebe voller Weisheit,, an DeineVaterhuld ohne Grenzen. Du, o Herr, hattest mir gegeben,was meine Seele liebte, Du hast es mir genommen.
Genommen! Ach, was hatte ich verschuldet? War meineLiebe zu groß? War ich meines stillen Glückes unwürdig? Kannman zu sehr lieben? — Ja, Vater, ich erkenne es, auch zu sehrlieben kann man, wenn man sich mit allzu groß erLeidenschaft in dieser Welt an einen Gegenstandhängt, als müßte er ewig der unserige bleiben.Wußte ich denn nicht, daß sich auf Erden Menschen nur auf kurzeZeit mit Menschen zusammenfindcn? Wußte ich denn nicht, daßentweder der, den ich liebte, vor mir, oder ich früher als eraus der Welt scheiden müsse? Beim ersten Druck der Hand,mit dem wir einen neuen Freund begrüßen, sollen wir an denletzten Händedruck denken, den wir bei der letzten Trennunggeben werden, die immer näher ist, als wir glauben: so wird inder Freundschaft nur Mäßigung herrschen. Beim ersten Kusse,welchen Mutter und Vater ihrem ne-gebsrnen Kinde mit Ent-zücken geben, sollen sie sich erinnern, daß ihnen die holde Gottcs-pflanze nur auf einige Tage, auf Monate, auf wenige Jahreanvertraut ward, ihrer zu pflegen. So werden sie jeden Tag mitEntschlossenheit darauf gefaßt sein, zurückzugeben das Kleinod,welches der Herr fordert. Wehe, wenn sie sich selbst täuschen;wenn ihre leidenschaftliche Zuneigung alle Möglichkeiten läugnen,und das Wort der Vernunft zum Spott machen will. Dannwird der Verlust Strafe, und der Schmerz um sozerreißender, aber durch das Verschulden eigenerUnbesonnenheit!
Ja, ich erkenne es, Vater im Himmel, wie ernst Du immerunsere Seelen mahnst, daß sie Len Freuden hienieden, auch denedlern, nicht mit allzugrenzenloftr Hingebung sich weihen. Hiersoll nun unsers Bleibens nicht sein. Hier soll nun das Schöneund Heilige an geknüpft, dort in der Geisterheimath erst voll-end et werden. Wir sollen, wir dürfen nicht vergessen, daß jedesGut auf Erden nur ein geliehenes ist, aber kein Eigenthum; daß