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8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
303
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ist ihrer herzlichen, ehemaligen Zuneigung, die nun schweigenmuß; ihrer ehemaligen Fröhlichkeit, ihres Wohlgefallens andiesem und )enem, was ihnen das Erdenlebcn darbot, und wassie nun verloren haben, und nie wieder empfinden sollen. Alswenn es der Leib wäre, der geliebt, als wenn es der Staubwäre, der sich gefreut hätte! Selbst im Thiere ist es ja nichtdas von der Erde Gewonnene, ist es nicht Fleisch und Blut,was die Freude empfindet, sondern etwas Höheres, was darinwohnt.

Wer den Verstorbenen darum beweint, daß er nicht mehr,nicht länger,die ihm ehemals lieb gewesenen Annehmlichkeiten desHierseins genießt, gleicht in der That einem Kinde, welcheseinen erwachsenen Freund betrauert, der von ihm rcisete, umin die Arme seiner Aeltern, seiner Braut, oder zum Antritteeiner höhern Ehrenstelle zu eilen; ihn betrauert, daß er nunnicht mehr an den bisherigen kindlichen Spielen mit ihm Theilnehmen kann, oder wohl gar, statt des abgereiseten Freundes,das nun verwaiset und unbrauchbar da liegende Spielzeug be-klagt und beweint.Wer will Mitleiden haben mit dem, wasan sich schon todt, und gar nicht zu leiden fähig ist? Unddies ist der Leib, die Hülle der Seele, das Kleid des von unsabgereiseten Freundes.

Mag es aber nicht wohl zuweilen der Fall sein, daß wir inunserer Trauer, voll seltsamer Selbsttäuschung und in ganzverkehrtem Mitleiden, die äußere Gestalt, den Leib, beweinen,aber den ihn ehemals beseelenden Geist hingegen vergessen?Denn gedächten wir des Geistes, wie könnten wir ihn als todtbeklagen, da er lebt?

Oft rinnen auch wohl unsere Thränen aus Mitleiden überden Schmerz, welchen unser Geliebter in der letzten Krankheitoder noch in der Todesstunde dulden mußte. Hier scheint unsereEmpfindung gerechter zu sein.

Ich glaube aber, auch hier herrsche Selbstbetrug der Sinneund der Einbildungskraft. Ich kann nicht glauben, daß derTod, das eigentliche Scheiden des Geistes vom Leichnam, schmerz-haft an sich selber sei. Er ist es gewiß nicht mehr, als die Krank-