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8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
292
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Noch Andere pflegen sich für die Todesstunde eine Freudeaufzusparen, deren sie sich für das ganze Leben sonst zu beraubenhartherzig genug gewesen sind. Man hört gewöhnlich, daß Ster-bende allen ihren Widersachern verziehen und sich mit ihnenaufrichtig ausgesöhnt haben.

Wohl ist Versöhnung mit Feinden eine hohe Seesenfreude.Es ist das Zeichen eines vortrefflichen Gemüths, wenn wirfreundschaftlich Jeden um Verzeihung bitten, den wir aus Stolz,oder Habsucht, oder in aufwallendem Zorn gekränkt haben.Doch recht betrachtet, was ist eine Versöhnung mitunfern Feinden auf dem Sterbebette? In derThat nichts ist sie, als eine Erklärung, mit ihnen Frieden zumachen, weil wir ihnen doch nicht mehr schaden können. Waswirst du von der Versöhnungslust eines Menschen halten, derdir, wenn er im Kerker sitzt, Freundschaft und Frieden gelobt^und wegen des Vergangenen deine Verzeihung wünscht? Wasist Versöhnung mit unfern Feinden, wenn wir auf dem Sterbe-bette liegen? Sind denn Alle die zugegen, welche wir währenddes Lebens bald durch Worte, bald durch Werke beleidigt haben?Gibt ihnen denn unser Wille Genugthuung für die verdrußvollcwStunden und Tage, welche wir ihnen durch unser zänkischesund liebloses Wesen gemach: haben? Sind wir denn auch sicher^daß sie uns unsere Ungerechtigkeiten alle vergeben haben? Warumsparst du auf, was du an jedem Tage deines Lebens zu thunverpflichtet warst, und machest erst Freundschaft, wenn deinemFeindschaft Keinem mehr gefährlich sein kann? Meinst du, dembloßer, in der Angst des Herzens dir abgenölhigter Wunsch seihinlänglich, die Seufzer der Beleidigten zurückzuhalten, daßsie nicht zum Himmel steigen zum Vergelter, deine Ankläger zuwerden?

Wir hören von Andern, daß sie vor ihrem Sterben, wennsie mit dem letzten Willen über die Vertheilung ihres VermögensAnordnungen trafen, die Armen bedachten, milde Stiftungenoder andere öffentliche gemeinnützige Anstalten wohlthätig be»gabten; zuweilen eigene Verfügungen trafen, um das, was sieauf ungerechte Weise besaßen, an den wahren Eigenthümee