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wenige Menschen genießen Glückseligkeit, da jede Stunde desLebens abwechselnd Freude und Leid bringt; da wir bald bei denSchmerzen Anderer trauern, bald unter Krankheiten seufzen, baldunsere theuersten Wünsche verfehlt sehen? Oder wie kannTugend und ihr belohnendes Gefühl unsere Bestimmung sein,da wir jeden Tag, wie Petrus, mit den edelsten Vorsätzen unserheben und zuletzt nur mit Klage über unsere Schwäche enden?
Was ist die Bestimmung, derentwillen mich die Gottheit ausdem Nichts hervorgerufen hat? Bin ich nur für ein augenblick-liches Spiel, für ein flüchügeS Dasein zwischen Wiege undSarg zu unbekannten Zwecken, oder zum Besten anderer mirunbekannter Wesen geboren, daß sic sich an meinem Lächeln undan meinen Thränen ergötzen? Soll ich hinsinken und vergehenun Alter auf immer, wie die Blume des Gartens, wie die Eichedes Waldes, wie die Eintagsfliege, wie der Löwe in denWüsten? Aber wie könnte ich diese Vorstellung paaren mit derVorstellung von den unendlichen Vollkommenheiten Gottes?Warum trug ich in mir das lebendige Gefühl, daß ich ein eigenerZweck sei, wodurch ich immerdar gleichsam ein eigener für michselbst bestehender Mittelpunkt des Weltganzen werde, das ichum mich her sehe? Warum erkenne ich vor mir hohe Ziele, dieich in einem so kurzen Dasein unmöglich erreichen kann, während- andere Geschöpfe nicht mehr Eigenschaften haben, als ihnenzur Fristung ihres irdischen Daseins, zur Hcrbeischaffung ihrerNahrung, zur Entfernung der Schmerzen und Lebensgefahrenvonnöthen sind?
So zeigt uns schon die bloße Vernunft auf Widersprüchehin, welche nothwendig entstehen, wenn wir unsere Best Me-inung nur im engbcgrenzten Spielraum dieses Lebens ausfindigmachen möchten.
Aber wir wissen, der Mensch ist Geist, der Leib ist Staub,und nur Kleid und Hilfsmittel des Geistes im Irdischen zumGenuß des Irdischen. Der Leib, oder das Thierische, mit dcmwir umhüllt sind, verwandelt sich mit den Jahren; der Geistwird reicher an Erkenntniß und fühlt, er bleibe derselbe und seinoch derselbe, der er beim ersten Anfang seines Bewusstseins ge-