Druckschrift 
8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
255
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Todes, so lange ich nur von thierischen Neigungen die Richtungempfing; so lange ich Klugheit und schlaues Benutzen der Um-stände für die höchste Weisheit hielt; so lange ich glaubte, daßmenschliche Ehrenbezeugungen die erhabensten wären; so langeich in Gold und Wohlstand die Schlüssel zum Palaste allerGlückseligkeit suchte; so lange ich Alles für recht hielt, was keinbürgerliches Gesetz verbieten und keine menschliche Obrigkeitbestrafen konnte; so lange ich nur Werke der Wohlthätigkeit, derMenschenfreundlichkeit, der Großmuth, der Treue, der Wahr-heit übte, als sie mir selber einen Nutzen verschaffen konnten:so lange ich weder Gott noch Menschen so sehr als eigentlichmich selbst liebte. Durch Jesum bin ich zur Klarheit höhererAnsichten gelangt. Wer nach bürgerlichen Gesetzen lebt, kannein nützlicher Mensch sein, aber ein Gottmensch ist er nicht, undnicht der Besitzer unzerstörbaren, innern Glückes. Auch durchMoses ward ein Gesetz gegeben für sein Volk; die Gnade undWahrheit aber ist durch Jesum geworden, und von seiner Füllehaben wir Me genommen Gnade um Gnade. (Joh. 1, 17.)

Durch sein Blut hat er mich gereinigt von Sünden nichtdem Leibe nach, sondern geistig. Irdisches Blut kann nichtsGeistiges abwaschen. Aber wie Jesu Blut Eins war mit seinemLeben, so auch Jesu Leben Eins mit seinem gottoffenbarenden,weltcrleuchtenden Geiste; so war sein Blut durch sein Leben,sein Leben durch seinen Geist cingeweiht. So darf auch ich sagen:das Blut Jesu macht mich rein von allen Sünden. Aber wiesich in seinem Blute sein Geist mir weihte, so soll sich auch ihmmein Geist weihen. Er und ich müssen Eins sein in Gedanken,Gesinnungen, Gefühlen und Thaten. Nur so lebt er in mir,nur so lebe ich in ihm. Wer ihn flieht, wie kann der in ihmleben? Wer dem Fleische, dem Sinnlichen verbleibt, wie kanner des heiligen Geistes sein? Wer fern von Jesu Sinn undHeiligkeit steht, der steht auch fern von Jesu Kreuz und Blut.Denn Niemand, so sprach er selber, kann zweien Herren dienen,nicht der Welt zugleich und Gott. Ist Jesu Tugend nicht unsereTugend, so ist Jesu Verdienst auch nicht unser Verdienst.Nur wer in ihm ist, der hat das ewige Leben.