über alle Angelegenheiten des Irdischen zu setzen; der da ver-steht, was das sinnvolle Wort sagt: in Jesu leben.
Ihm ist Sterben gewinn. Wie sollte es ihm dennVerlust sein? Ihm, in Christi göttlich großer Denkart, ist jader Erdball, oder sein Haus, sein Dorf, seine Stadt, nichtdie wahre Heimath. Er ist sich immer bewußt, daß er geborenward, nicht für die Erdscholle, auf welcher er sich zur Erhaltungseiner irdischen Nothwendigkeit anbauen mußte, sondern für dasewige, unendliche Reich Gottes. Für ihn ist dieses kurze Lebennicht die Hauptsache, sondern das ganze Leben in der ganzengöttlichen Schöpfung. Die Ewigkeit ist sein Vaterhaus, undGott darin ist sein Vater, und jede Seele darin ihm ewigverbrüdert.
Ihm ist Sterben Gewinn! Denn welcher Verlustist imTode für die Seele? Sie wirft nur den schweren,irdischen Schleier ab; sie wechselt nur ein Kleid; sie empfängtvom Vater der Liebe ein edleres Gewand statt des zerrissenenund durch mancherlei Verhältnisse unbrauchbar gewordenen.Sie bleibt sich selbst, Gott bleibt ihr, das göttliche Weltall mitallen Wundern der Schöpfung bleibt ihr. Was verliert sie?Ihre Freunde und Geliebten auf Erden? O nein, sie sind janoch vorhanden im Vaterhause, sie ist ja noch mit allen ver-brüdert, wie vorher, nur theilt sie sich ihnen nicht mehr, wiesonst, durch irdische Mittel mit. Sie hat keinen ihrer Liebenverloren. Man verliert nicht, was in Gottes Händen ist.
Dem, der in Jesu zu leben weiß, ist Sterbennur Gewinn. Oder hat denn dies Erdenleben nur lauterBlumen und keine Dornen? Wahr ist es, ich büße mit demTausche manche Freuden ein, aber ich bin auch manchemSchrecken, manchem Jammer nun entrückt. Nun werden keineThränen mehr geweint; süß ist das Loos befreiter Seelen! Istauch dies Erdenleben so vollkommen selig, daß man es ewig zuleben wünschen möchte! Warum sehnen sich denn hochbetagteLeute willig nach Ruhe, nach Auflösung, nach Befreiung undUebergang in ein besseres Sein? Oder warum ist denn untertausend und übermal tausend Menschen nicht ein einziger vor-