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zerstörte Leib wird ihm dadurch so fremd, wie alles übrigeIrdische. Dieses Fremdwerden heißt sterben.
Der Leib ist ein durchsichtiger Schleier devSeele. In allen Bewegungen, Veränderungen, im Ruhenund im Handeln, erkennen wir die Seele hinter den Erschei-nungen des Körpers. Es ist nicht der Leib, welcher zürnt oderliebt, sondern die Seele ist es, welche durch die Werkzeuge derStimme donnert, holdselig lächelt durch den Blick des Auges,ihre Scham im Errörhen der Wange verkündet, ihren Muthoder ihre Furcht, ihre Sehnsucht oder ihren Schmerz in denBewegungen dieses Schleiers äußert. Denn ist von der zarten,beweglichen Hülle, welche wir Körper nennen, die Seele ge-trennt : was bleibt übrig? Er liegt zusammengesunken da, wieein weggeworfenes Kleid. Er gleicht einem kalten Marmorbilde,und es wird uns fast unwahrscheinlich, daß diese todte Aschejemals von einem höhern Wesen belebt worden sei.
Auch lieben und hassen wir in Andern niemals eigentlichden Körper, sondern die Seele, welche sich hinter diesem Schleierzeigt. Es ist ihre Anmuth, die uns entzückt; ihre Weisheit,ihre Tugend, die uns Achtung einflößt; ihre Verderbtheit,die uns Unwillen erregt. Neben dem entseelten Leichnam aberhört alle Liebe, aller Haß auf, denn unser Freund oder Feindist verschwunden; sein weggeworfener Schleier reizt uns sowenig, als aller andere Staub.
So wie es sehr natürlich ist, daß Niemand eigentlich unfernKörper liebt, sondern die Seele, welche aus ihm hervorstrahlt:eben so natürlich ist es, daß jeder Mensch, wiewohl er inAndern nur die Seele liebt, an sich selbst den Körper liebt,welchen er trägt. Er sucht ihn zu erhalten, zu vervollkommnen,denn die Seele begehrt ein edles, fähiges Werkzeug; er suchtihn zu verschönern, zu schmücken, denn das innere, bleibendeVerlangen der Seele nach Vollkommenheit und Vorzüglichkeittragt sie unwillkürlich auch gern auf das über, was ihr zunächstangehört. Sie bemüht sich sogar, im Gefühl eigner Unwürdig-keit, das, was ihr an innerm Werth abgeht, durch Schönheitdes Schleiers zu bedecken; sie sucht die Falten desselben dichter
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