als ich dachte. Viele sind fem von mir, und gedenken meinernicht mehr; viele schlafen seit Jahren und Tagen schon im Armdes Todes und der Verwesung, wo auch ich einst schlafen gehensoll. Andere leben wohl noch in meiner Nähe; aber ihr Ge-schmack, ihre Denkart, ihr Stand, ihre Umstände, ihre Beschäf-tigungen sind so verschieden von den meinigen, daß wir gegeneinander jetzt wie Fremdlinge stehen. Nein, es sind nichtmehs dieselben, mit denen ich einst so heiter beisammen lebte;es ist nicht mehr die Welt, die ich sonst genoß, mit vollem,entzücktem Herzen. Sie glänzt meinem Auge nicht mehr mitjenen frischen Farben entgegen, wie sonst, und alle Herrlichkeit,alle Pracht, alle Feste können mein Herz nicht so innig erfreuenund beleben, wie ehemals, wo Kleinigkeiten, werthlose Ge-schenke, unbedeutende Ueberraschungen mich auf den Gipfel desVergnügens erhöhten.
Ich hatte auch Freunde und Freundinnen. Ich stand nichtganz einsam. Ich ward geliebt; zärtlich, ohne Eigennutz, ohniNebenabsicht geliebt, von Herz zu Herz. Seligkeitvolle Tage,Augenblicke der Liebe, die den Werth mancher einförmigenJahre aufwogen, ihr seid nicht mehr! Nur im bleichen Schattender Erinnerung wanket ihr meiner trauernden Seele nach. OFreunde meiner frühern Zeit, wohin seid ihr verschwunden? Woerreicht euch die Stimme meiner treuen Sehnsucht? Wo suchteuch mein thränenvoller Blick? Ich rufe vergebens eure mirewig rheuern Namen; ich erneuere vergebens meinem Herzeneuer Bildniß, eure Verheißungen, eure liebkosenden Worte, eureSchwüre. Wir sind geschieden! — Was nicht Jahre, was nichtVerhältnisse, was nicht veränderliche Gesinnungen, was nichtZufälle von mir rissen, ach, das trennte das Grab von mir! —Ihr seid dahin; ich muß ohne euch mein Leben vollenden. Wares auch der Mühe werth, daß wir uns für den Augenblickfanden? Wie schnell welkten die Rosen ab, und nur dieDomen blieben zurück!
Gern gedenke ich euer, o ihr geliebten Tobten! Enge! einerbessern Welt, die mir im Leben nur für eine kurze Zeit er-schienen, um es verschönern zu helfen! Eure Freundschaft zu