Druckschrift 
8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
187
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Ach, wie soll Dich meine Zunge nennen, wie sollen meine Ge-fühle Worte finden, Deiner würdig?

Denn wenn ich Dich denken will, in Deiner geheimniß-vollen, unendlichen Macht und Größe, o so sinke ich wie ver-nichtet ein. Auch dieser Erdball mit aller seiner Herrlichkeit,mit seinen zahlreichen Bewohnern, mit seinen Ozeanen undThronen: was ist er, Herr, in Deinen weiten Schöpfungen?Ein geringes Staubkorn, das in Deinen Himmeln nicht ver-mißt werden würde, wenn cs verschwände. O droben, wo inUngeheuern Entfernungen Millionen Weltkörper schweben,Wellen, größer als der Stern, Len Du uns zur Bewohnungangewiesen, droben kann seit Jahren oder Jahrtausenden durchDeinen Wink manche Welt verschwunden sein wer hätte eshienieden empfunden und bemerkt? Und was ist der Mensch,daß Du sein gedenkest? Ach, was bin ich unter den Unzähligenallein, daß Du Dich meiner erbarmest?

Aber Du gedenkest des Menschen, und erbarmest Dich sein,denn Deiner Allmacht ist nur Deine Liebe gleich! Du bist derGott des verlassensten Sterblichen, wie der Gott der entfern-testen Himmel. Du bist dem Wurme, dessen Leben nur einenTag dauert, so nahe wie der letzten Sonne, die sich, fern undungekannt von uns, schon eine Ewigkeit lang mit unverlösch-lichem Glanze durch Dein Weltall schwingt!

Allgegenwart Gottes! Gedanke voller Geheimniß undMajestät, mit nie empfundenen Schauern durchdringst Dumeine Seele! Das Höchste des Weltalls, die Gottheit selbst,ist mir nahe, umgibt mich, belebt mich, erhält mich, wie sienahe und gegenwärtig ist den Bewohnern von Welten, derenDasein kein Sterblicher ahnet.

Ohne einen belebenden Gott, in dessen Gesetzen sich alleSonnen, alle Welten wie der Tropfen des Regens und dieschwebende Silberflocke des Schnees bewegen: was wäre dasAll der Schöpfung? Ein erstarrter Leichnam, eine unend-liche Wüste, eine Nacht ohne Grenzen, ein dunkles Nichts!Gott ist die Seele seiner Schöpfungen, in die er sich gleichsamwie in ein herrliches Gewand hüllte. Du sprichst von den