mehr nennt, und Keiner weiß, ob du jemals ein Lebendigergewesen bist.
Zittere nicht, Unsterblicher, vor diesem Gedanken: denndu lebst, und wirst leben, während deines Leibes Staub wunder-bar verschwunden ist, um andern Geistern zu dienen in andernVerbindungen und Ordnungen. Zittere nicht; Jesus sagt es:Fürchte dich nicht vor dem, was den Leib tödtet; wohl aberfürchte, was die Seele tödtet! Denn alles Fleisch ist wie Gras,und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume.Das Gras ist verdorret, und die Blume abgefallen.
Der Blick auf deine Vorwelt und ihre Werke,- auf die allgemeine Vergänglichkeit des Irdischen, weit entfernt,dich zu erschrecken, dich muthlos zu machen und zu beugen,soll dich erquicken und heben. Blicke auf die Werke derVorwelt, und du wirst -acht mehr so sehr vor den Ereignissendes heutigen Tages beben. Die Menschen, auch die Mächtigstenderselben, erreichen nicht, was sie wollen. Das Böse, was siezu stiften gedenken, verwandelt sich unter ihrer Hand zum Nütz-lichen. Was du für verderblich hältst, ist vielleicht die ersteQuelle des Segens; was dir Gift schien, war vielleicht Arznei.Man schlug schon Völker in Ketten, um sie zur Freiheit reif zumachen; verfolgte die Weisen, um ihre Lehre desto verbreiteterzu machen; tödtete die Tugendhaften, um Andere durch ihrBeispiel zu begeistern. — Denn siehe, das ist die göttliche Ord-nung in den Schicksalen der Menschheit, daß die Sterblichenzwar aus Jrrthum oder Bosheit ein dauerndes Uebel stiftenwollen, aber es nie vollbringen können. Gott wehret!
Du sprichst: das Böse in den Werken der Vorwelt gingunter, aber wie viel auch des Herrlichen und Guten! — Und wieviel Herr liches und Gutes wird auch durch den Sturm unsererZeiten vertilgt! — Zittere nicht, Unsterblicher, Niemand ver-tilgt das Unsterbliche! — Kunstwerke, Stiftungen, Wohlstand,vortreffliche Verfassungen, Handel, Gewerbe können vernichtetwerden; aber sind sie der Zweck vom Leben der Geister auf Erden?Und man zerstört doch zuletzt nur die sinnlichen Wirkungen derKunst, des Fleißes, der Tugend, der Weisheit: wer aber ist