licher dünkt, als der Becher Weins, den der Reiche unter bangenSorgen einschlürst. Sie läßt uns den Werth der Drnge imwahren Lichte sehen, lehrt den Außenschein trennen vom Wesender Sache; so daß wir auf jeden Verlust, auch dessen, was unsdas Theuerste ist, vorbereitet sind. Eine Feuerflamme kannunsere Habe einäschern; eine Lästerzunge des Bösewichts unfernNamen schänden; Ungerechtigkeit kann uns verstoßen; eine Krank-heit uns lähmen; das Grab kann uns unsere Lieben nehmen —aber nichts kann den Gott aus unserer Brust rauben, nichts dasBewußtsein unserer Unschuld tödten, nichts die hohe Freudigkeitzerstören, in der wir, auch beim bittersten Verluste, den Blickzum Himmel heben und sprechen : der Herr hal's gegeben, derHerr hat's genommen, gepriesen sei sein Name!
Alle Lust der Welt vergeht, aber wer den Willen Gottesthut, der bleibet in Ewigkeit! — Ja, ewig, wie der ewigeGott, bleibet die Tugend ! Die durch sie veredelte Seele schwingtsich einst über den Staub, über das Gewühl und die buntenTäuschungen des Lebens empor — nichts rettet sie aus demSchiffbruch, wenn ihre irdische Hülle zertrümmert, nichtsnimmt sie mit sich, als was sie selbst geworden ist — Güter derErde waren nicht ihr, sondern dem Leibe erworben, der sichdamit schmückte; aber geistige Vollkommenheiten, Tugendkräftewaren dem Geiste erworben, der, verklärt durch sie, in dasEwige eingeht. Darum sind sie das höchste Gut, weil sie inzwei Welten gehören und Seligkeit bringen. Alle andere Lustder Welt vergeht!
O Gott, Allerheiligster, Heller kenne ich nun das Ziel,welches mir entgegenstrahlt aus Deinem Heiligthum! Das Ziel,welches Du mir gesetzt Haft! In Dir, in Dir ist mein höchstesGut, denn in Dir ist Heiligkeit und Vollendung.
Wie ein Verblendeter ging ich auf Erden umher — ichsuchte das Höchste im Staube, das Ewiggute im Vergänglichen.Mich täuschten Liebe und Freundschaft, Glück und Ehre, unddoch trachtete ich dem Schattenwerk mit immer neuer Sehn-sucht nach, und rang und arbeitete, und erreichte es nie; undwenn ich's erreicht hatte, war ich darum nicht zufriedener, nicht