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So fragt der zweifelnde Christ, so der leidende Mensch, welchersich das Unglück aller Art, so er sieht, nicht anders zu erklärenweiß. Wenn denn Gott Alles schuf, hat er nicht auch das Böseerschaffen? Und wie soll ich dies mit seiner Weisheit und Güte,ja nur mit seiner Gerechtigkeit vereinbaren?
Was l-.n ich dir antworten, Zweifler, als das Einzige:rm ganzen Weltall ist nichts Böses vorhanden, alsdie Sünde.' Und die Sünde ist ein Werk des Menschen,Vermöge seiner ihm von Gott gegebenen Freiheit, das Rechteoder Unrechte wollen zu können.
Da nun aber in den göttlichen Schöpfungen Alles gerechtAnd gut ist, so scheidet sich alles Ungerechte von selbst aus,uns wenn ein Mensch daS Ueble will, so empfindet er dessenSchmerz; — der Schmerz aber dient zu seiner Besserung undBelehrung, daß er nicht ferner gegen die Ordnungen Gottes imWeltall handle: zu den Ordnungen Gottes gehören aber nichtbloß die Gesetze der todten Natur, sondern auch der lebendigenin uns.
Wir selbst also sind die Urheber unserer meistenLeiden, indem wir in der Leidenschaft, gleich Blinden, gegendie ehernen, ewigen Verfassungen der Schöpfung anrennen.So ist das Kind Urheber seines eigenen Schmerzes, wenn essich aus Unwissenheit mit gefährlichen Werkzeugen verletzt; dieserSchmerz aber ist der wohlthätige Lehrer der Vorsicht. So istdas Kind Urheber seiner eigenen Noth, wenn es aus Muthwiilen,Ungehorsam, Eigensinn oder Leichtsinn das seiner GesundheitNachtheilige genießt : aber diese Noth wird ihm die wohlthätigeLehrerin der Klugheit und Tugend.
Das sind die Ordnungen des Himmels auf Erden, daß wirweiser, daß wir täglich einsichtvoller, daß wir tugendhafter undgottergebener werden sollen. Noth und Schmerz sind die Lehrerund Wegweiser der Menschheit zum Vollkommenen. Und wäreniemals dem Menschen Weisheit und Tugend gepredigt worden,die stumme Natur, die Vcrkündigerin Gottes, hätte sie gelehrt.
Es ist wahr, auch noch manches andere Ungemach desLebens ist vorhanden, welches keineswegs als eine Folge unserer