nur wenig unterrichtete, abergläubige oder nervenschwache undkränkliche, oder solche Personen, welche eine zu allerlei sonderbarenEinbildungen sehr geneigte, lebhafte, schwärmerische Phantasiebesitzen. Hingegen wußten davon niemals die weisesten, unter-richtetsten, gesunden und unerschrockenen Personen.
Es bedarf nur eines geringen Nachdenkens, um bald über- /zeugt zu sein, daß man an Todtenerscheinungen glauben lernen,daß man auf diesen Glauben Verfällen konnte, ohne jemals einenabgeschiedenen Geist wirklich in der Natur gesehen zu haben.Denn wie mußte den Sterblichen, welche noch kein höheresLicht von oben empfangen hatten, wie mußte ihnen zu Muihesein, wenn sie den Leichnam eines bekannten Freundes sahen?
Sie konnten sich, auch wenn er schon im Grabe lag, nicht gleichdaran gewöhnen, ihn verloren zu Haben. Sie meinten, ermüßte noch mit ihnen sein ; ihre erhitzte Einbildungskraft spie-gelte ihnen seine Gestalt oft sehr lebendig vor. Sie überredetensich im Schrecken, ihn gesehen zu haben, und da sie seinenLeichnam im Grabe wußten, so mußten sie denken, sein Geistkönne sich wohl zeigen. — Am Tstge ist jedermann beherzt undfürchtet sich nicht; aber am Abend oder des Nachts, wennunser Körper ohnehin erschlafft, die Seele ermüdet, die Ein-bildungskraft und jede Nerve empfindlicher und reizbarer ist,wenn die Finsterniß das Spiel der Einbildungen mehr begünstigt,dann fürchtet der schwache Sterbliche Dinge, die er am Tageselbst verlacht. Daraus läßt sich auch sehr leicht erklären, warum,was man von den grausenhastcn Erscheinungen erzählt, meistensnur im Dunkeln, nur in der Nacht gesehen worden sein soll.Daher entsetzen sich selbst Kinder, die niemals von Gespensternhörten, vor sehr gewöhnlichen Dingen, die in der Dunkelheitder Nacht eine abenteuerliche Gestalt gewinnen, und beim Lichtealte, bekannte Dinge sind.
So entsteht aller Jrrthum in der Welt; denn der Jrrthumglaubt in allen Stücken an Dinge, die gar nicht sind.
Es mögen nun Erscheinungen abgeschiedener Seelen wirk-lich statt finden oder nicht — wenigstens wären sie für vieleSterbliche wünschenswerth. Wenn der weinenden Mutter noch