Sterbelager sind mir die letzte Bürgschaft der treuen Liebe, diemich so oft beglückte, und diese Liebe stirbt nicht! Ihr werdetaufhören, um mich zu weinen, aber nicht, mich zu lieben. Undmeine Seele, auch in jenen Höhen, auch in der Fülle reinerSeligkeit, wird euch lieben — dies Gefühl, bas Gott meinerSeele gab, bringe ich wieder vor Gottes Thron. Weinet nicht,werde ich in der letzten Stunde noch zu euch stammeln, es istkein Tod, wo Unschuld, Tugend und Heiligkeit leben. Nur dieSünde ist Seclentod. Fliehet die Sünde, haltet an Gott, han-delt göttlich, so viel an euch ist, und wir gehören uns an undbleiben vereint dort, wie hier.
Ja, mein Leben sei von nun an, mehr denn jemals, dasLeben eines Gerechten, und die Schrecken des Todes werdenverschwinden vor dem Gefühl meiner zunehmenden Tugend undVollkommenheit, wie der Nebel vor den wachsenden Strahleneiner aufgehenden Sonne. Wie heiter gingen vor mir unzähligeedle Menschen freiwillig für Wahrheit und Recht, für Vaterlandund Menschenglück in den grünsten Tvo: §rc flaroen albMärtirer ihrer Seelengröße für die gute Sache. Ihre erhabenenSeelen achteten das Heilige höher, als ein Leben ohne Verdienst;die Pflicht des Geistes höher, als die sinnliche Freude, noch einPaar Stunden oder Jahre länger Erdenluft zu athmen. Waswar ihnen für Gottes Sache das Sterben? Ein Gewinn; derTod schien ihnen nur das Umwechseln eines Gewandes, und eswar nicht mehr. Sie warfen das Verwcsliche ab, um anzuziehendas Unverwesliche.
Beneidenswcrthes Schicksal, in seinen Pflichten und für seinePflichten das nichtige, leere Leben auszuarhmen in Gottes Armen!O Jesus Christus, dies war Dein Tod, Welterlösertod! Ach!könnte er der Tod aller Deiner Nachfolger sein, der meinige,daß ich mitten im Wohlthun und Segnen einer durch michbeglückten Welt den Geist aufgeven würde!
Was hätte endlich auch diese Welt für Vorzüge, daß sie dasScheiden so sehr erschweren könnte? — Der Gerechte sehnt sichnach immer höherer Vollendung seiner Seele: kann sie ihm schon