Gefühl der Nothwendigkeit, eines Lebens nach dem Tode, einesschönern, würdig zu werden.
So wird aus der uns angebornen Sehnsucht zum Daseineine göttliche Offenbarung von unserer Fortdauer nach demTode. Und nicht nur den Christen ist durch Jesüm Christum, Inein, auch allen andern Völkern ist diese beseligende Offen-barung zu Theil geworden. Der Weiseste unter den Weisen deshohen Alterthums und der wildeste Indianer in den Wäldernseiner noch unentdeckten Heimath sehen mit frohem Glauben ,auf eine Ewigkeit. !
Aber darin fehlt derMensch, daß erdenTrieb ^zum Leben auf eine widernatürliche Weise in seinequälende Leidenschaft verwandelt; daß er sich vor demTvoe mit vergeblichen Einbildungen ängstiget, oder dein jetzigen iLeben einen so unermeßlichen Werth beilegt, den es wirklichnie hat.
Oft ist es nur kränkliche Reizbarkeit, was den Tod,in der Einbildung, mit zespensterhaften Schrecken umgibt; esist ein Hang zur Schwermuth, welcher, wenn er überhandnimmt, uns unaufhörlich mit der leeren Furcht vor dem Ster-ben peinigt. Nicht die Verwandlungen des Todes, sondern dieZerrbilder davon sind Furcht erregend, welche sich der Menschzu seiner eigenen Folter schafft.
Dieser unangenehme Zustand des Gemülhes ist oft nur eineFolge allzuruhiger, sitzender Lebensart und daraus entstehenderVerdickung der Säfte im menschlichen Körper und peinlichenDruckes derselben auf das zarte Spiel der Nerven in uns. Erkann zuweilen leichter und schneller durch Bewegungen, körper-liche Arbeiten, große Zerstreuungen, als durch die besten Trost-gründe , verändert werden. Die Lage eines Menschen, der sichbeständig mit Vorstellungen des Erkrankens martert, und in ^fortdauernder Todesangst lebt, ist schrecklich. Er gehört den !Mitteln eines weisen Arztes an.
Nie sollte man sich selbst, nie Andern den Tod und dasGrab mit fürchterlichen Farben vormalen, die an sich wederdem Tode noch dem Grabe gehören. Finstere Vorstellunaen