wie wir es haben, schöner, ungeachtet doch nur wenige Men-schen sein würden, welche ihr Leben, mit allen seinen Jammer-stunden, Thorheiten und Selbstpeinigungen, ganz wie cs war,noch einmal leben möchten, wenn ste darin nichts abänderndürsten?
Vorzüglich sind zwei Hauptquellen der Todesfurcht, welcheunsere Aufmerksamkeit verdienen.
1. Die Gottheit selbst hat tief mit unserm gan-zen Wesen den Trieb zum Leben verflochten. Dlcherentspringt die allgemeine Empörung unserer Natur gegen Alles,was Tod heißt.
Ohne diese heftige und fast unüberwindliche Lebenssucht,ohne diesen natürlichen Abscheu vor dem Tode, würde die Erdeschon jetzt eine menschenleere Einöde sein. Mit zahllosen Gr--fahren hat der Mensch hienieden zu ringen; er wäre tausendmalvon ihnen verschlungen; aber der Trieb zum Leben gab ihmMuth, und der Muth ihm den Sieg. Manchen hätte die Qualselbstverschuldeter Leiden, oder auch nur die voreilige Furcht,längst des Lebens satt gemacht, und er wäre vor der Zeit seinerReife dahingesunken; aber die Finsterniß des Grabes schreckteihn auf, und söhnte ihn mit den Mühseligkeiten des Tages aus.Schon hatte die Verzweiflung sich in ihrem düstern Wahnsinndem Abgrund genaht, und die freiwillige Flucht in das stilleLand der Tobten beschlossen; aber da lächelte sie das freundlicheLeben an mit neuen Reizen, und die Hoffnungen, welche esbeständig begleiten, winden der Verzweiflung den Dolch ausder erhobenen Hand. Es ist göttliche Bestimmung, wirsollen leben, um für höhere Bestimmung reif zu werden;Darum wurden wir durch die sanftesten und unzerreißbarstenBande an das Leben geschlossen.
Ohne diese heftige Begierde zum Sein und Leben würdedie Fortdauer nach dem Tode uns ein gleichgültiges Gut sem,und mit unserer Vorbereitung zur höhern Vollkommenheit wärees nie Ernst. Aber die Lebensbegierde ist da, und mit ihr derWunsch, auch nach den Verwandlungen im Tode fortzuleben.Und mit der Hoffnung auf die Ewigkeit verbindet sich nun das