heiligsten der Freuden gehen unter. Hänge dein Herz an nichtszu fest, was unterm Monde lebt! Es bleibt dir nicht. DieseWange, die jetzt noch blüht, dies Auge, das dir noch lächelt,sind erkoren, Staub zu sein. Die theuern Lippen, die du heutenoch küssen darfst, werden einst erblassen und verstummen. Aberdahinter das Geistige ist dein, ist dir ewiglich vermählt und ver-wandt. Von ihm wirst du nicht getrennt, auch in der Todesstundenicht.
Warum weinest du über den Hügeln der Todten? Hast duden Staub geliebt, den sie mit Erde bedeckten? Schmerzlichweckte dich das Schicksal von dem Traume auf, der dich nurallzusüß getäuscht hat. Blicke empor in die Himmel, dein Ge-liebtes lebt noch, liebt dich noch, kann nicht sterben, kann nichtaufhörcn, die erste seiner Tugenden, die Liebe, zu verlieren.Göttlichen Ursprungs, kehrte cs zurück zu Gott, und lebt undliebt unveränderlich, wie Gott.
O beruhigender, seelentröstlicher Gedanke! In ihm verklärtsich das ganze Weltall! Schmerzlich mag die Lehre des Schicksalsfein, an nichts in dieser Welt sein ganzes Herz zu hängen —immer Gott, Ewigkeit und Tugend vor Augen zu haben. Aberdoch erhebt diese Lehre den Geist. Wir stehen in ihr gleichsamder Gottheit näher. Auch wenn wir in der Fülle des SchmerzesBlut weinen möchten, empfinden wir Gottes Liebe zu uns, wieer uns Jrdischversunkene an sich emporzieht, und — wirrühmen uns auch der Trübsale!
Denn die schweren Schicksale, welche uns be-treffen, geben uns erst die rechte Spannkraft undStärke, und das Gefühl unserer ursprünglichenHoheit. Im weichen Arm der Sinnlichkeit verliert sich das.Wir kennen die Tugend wohl, aber sind zu bequem, sie zu üben.Was wir thun, geschieht mehr oder minder mit kleinlichenNebenabsichten auf allerlei Vortheil. Aber das Schicksal kommtdann, und bricht die Sklavenkette, mit der wir an das Irdischegefesselt sind, daß wir nur demselben allein anhingen und dienten.Das Schicksal »nacht uns frei, und führt uns in den rechtengroßen Gottesdienst zurück. Wohl büßt der Leib ein, aber der