Druckschrift 
8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

26

erquickender, als der schreckliche Anblick der Wahrheit! * derdu so sprichst, du warst unter deiner Würde im Schlamme derThierhcit versunken. Du kanntest dich selber nicht mehr. Gott,liebte dich. Es gibt weit höhere Genüsse, als die du kanntest;aber du bist ohne Gefühl und Sinn für sie geworden. Gott ruftdich zu bessern Seligkeiten, du zur Unsterblichkeit auserwählterGeist! Aber deine Sinnlichkeit blutet. Möge sie bluten undverbluten. Du wirft einst diesen Schmerz belächeln, wie derreifere Jüngling und Mann die ehemaligen Ursachen seinerkindischen Thränen belächelt. Du wirst einst, durchdrungen vonder Gewalt der Wahrheit, mit Paulus aussprechen: Wirrühmen uns auch der Trübsalc!

Das Unglück erst stellt uns gegen die Welt in das rechteVerhältniß, und lehrt uns, was sie werth ist. Erst wer dengrößten Theil seines Vermögens durch Feuersbrvnst, Wassersnothoder Kriegsgefahr verlor, oder durch Fahrlässigkeit und Betrugum das Scinize kam, weiß es, wie wenig auf Reichthum undWohlstand zu bauen ist; weiß es, wie unrecht man thut, seinHerz an den Besitz irdischer Güter zu hängen, und von ihnensein ganzes Glück zu erwarten. Der Menschengeist ist G eist, ersoll unabhängig sein vom Irdischen, und sein Glück unabhängigvon Allem machen, was so hinfällig und veränderlich ist. Wernicht, auch wenn ihm Alles geraubt wird, was er mühsam undrechtschaffen erworben, bei diesen Verlusten frohen Muthes seinkann; wer nicht, nachdem er Seidengewänder getragen, auchden groben Linnenkittel lächelnd anziehen kann ; wer nicht mitDemuth in hohen Würden, mit edelm Stolz in der tiefstenNiedrigkeit leben kann; wer nicht mit Gelassenheit den Bettelstabergreifen, die höhnenden Urtheile des großen Haufens gleichgültigüber sich hingehen lassen kann : in dessen Herzen ist nicht Allesgut und rein. Er hat die Größe des wahren Christen nicht»Großes Unglüce muß ihn läutern und groß machen. Er gehörtnoch zu den Versunkenen. Christ möchte er wohl gerne sein,aber Labei in schlaffer Trägheit und Weichlichkeit hinleben. EinGeist, der Ewigkeit gewidmet, möchte er wohl sein, aber dabeiauch Thier mit aller irdischen Behaglichkeit. Darum reißt ihn