13
2 .
Buße und Gnade.
Ps. 103 / 13 — 18 .
An Deiner Gnade/ Gott/ verzagen/Heißt läugnen Deiner Sonne Licht;
Heißt / wie die Thoren, frevelnd sagen:Kein Gott ist! Vater ist er nicht!
Und Vater bist Du! Tausend HerzenEmpfindens in den bangsten Schmerzen /Und jauchzen voller Seligkeit:
Gott/ Gott ist die Barmherzigkeit!
Eg schlagt endlich für jeden Menschen eine ernste Stunde desErwachens, des stillen Nachdenkens über sich und Gott, derErinnerung an die unausweichlichen Schicksale der Seele jen-seits des Grabes. — Früh oder spät: aber jedem Menschenschlägt die Stunde endlich, die sein Innerstes tief erschüttert,und seinen Geist unwillkürlich bis an die Schwelle des Todes andas geheimnißvolle Thor der Ewigkeit rückt. Dann steht er be-troffen und finster, und starrt in die ungewisse Ferne hinaus,und betrachtet sich und den Wechsel der ihn umgebenden Dingemit andern Augen, als sonst. Dann drängt sich seiner Betrach-tung die große Frage entgegen: Wer bin ich denn? Warum aufErden? Was wird aus mir werden nach dem Tode? Wo steheich? Wem gehöre ich an? — Es muß noch etwas Anderes sein,wozu ich eigentlich berufen bin. — Bloß für diesen kurzen,bitter-süßen Lebenstraum bin ich nicht geboren, und nicht bloßda zum Essen und zum Trinken, Schlafen und Arbeiten, gleichandern Thieren; ich fühle, daß ich ein höherer Geist bin, dermit der Thierschaft auf Erden nichts gemein hat.
Wenn diese Stunde schlägt, wenn diese Sprache endlichgeführt wird, geht bei den meisten Menschen unmerklich einegroße Verwandlung ihres Innern vor. Viele kommen gleichsamzu dieser Genesung, zur Empfindung ihres bessern Selbstes, wennsie alt und für den Genuß der gewöhnlichen Freuden stumpf ge-worben sind. Dann werden sie az-s betagten, kraftlosen Sun-