Druckschrift 
Der Kampf der Finsterniß mit dem Lichte des neunzehnten Jahrhunderts
Entstehung
Seite
131
Einzelbild herunterladen
 

131

gleich faßte er den Entschluß, sein ganzes Leben dem erha-benen Geschäfte zu widmen, seine Mitbürger über ihr hoch;stes Interesse aufzuklären, sie zu guten, frommen und recht-schaffenen Menschen zu bilden, und sie zu Gott zu führen.Er bewährte sich vorzüglich als einen wahrhaft göttlichenMenschen, indem er allen sinnlichen Genuß verachtete, undnur für Tugend und Religion lebte, in welcher er dashöchste Glück fand. Dabei unterrichtete er in Künsten undWissenschaften, Arithmetik, Geometrie und Philosophie.

Don dem Urquell alles Empfindens und Denkens, vonder Gottheit ging Sokrates aus; denn von demDascyneines allbeherrschend, höchst mächtig, weisen, allwissendenund unsichtbaren Wesens war er auf das festeste überzeugt.Er schon sah ein, daß es nur einen einzig wahren Gott,als Schöpfer der Welt, und Richter der Menschen, gebe,welcher alle geheime Gedanken und Handlungen beobachteund kenne. Er sagte: » die menschliche Seele ist göttlichen» Ursprungs, und von allem körperlichen völlig verschieden;»sie steht aber auch durch die Vernunft und durch das»Denkvermögen überhaupt mit der Gottheit in Verbindung.«Uebrigens unterschied er einesinnliche u n d v e r n ü n f«tige Seele, und behauptete, daß die Begierden zugleichmit jener in den Körper gepflanzt seyen, und sie reihe,dem Körper gefällig zu seyn.

Von der Unsterblichkeit der Seele war er gewiß. Ersah das Sterben für einen Uebergang in ein besseresLeben an. Diejenigen, welche lasterhaft gelebt, sagte er,würden in die Wohnungen der Qual hinabgestoßen. Füreinen Zustand der Freiheit erklärte er die Herrschaftüber die sinnlichen Triebe. Nur die Tugend, versicherte er,sey wahre Weisheit; Lasterhaftigkeit dagegen sey vondem Zustande des Wahnsinns nicht verschieden.

In seinem hohen Alter und auf die falsche Beschuldi-

2 2