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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
506
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Die aus Fleisch und Blut hervorgchenden wilden Reize, Lüsteund Begierden wirken eben so sehr auf Minderung der Geistes-kraft, als aufSelbstzerstvrung desL^bes; hingegen des GeistesBesonnenheit und Herrschaft bändigt den Ungestüm verderblicherLeidenschaften, und reitet selbst des Leibes Dauer. Das Ge-heimniß vom Ursprung unsers Geistes ist das Geheimnis Goncs.Wir wissen nur, er sei'eine wunderbare Kraft, eine edlere, alsalle andere aus tiefer Verborgenheit hervor wirkenoe bewußtloseKräfte der Natur. Bei dieser ist Noihwendigkeir das Gesetzihres Srrebcns; im Menschengeist aber Bewußtsein eigenenWillens, wodurch er fähig wird, das Gute wie das Böse zuthun. Ob er in der Geburtestunde des Leibes sein Daseinempfing ob er vielleicht schon früher lebte, als in diesemLeibe Niemand ergründet es.

Zwar mag die Frage, ob wir schon einmal gelebt haben,viel Reiz für die Neugier der Sterblichen haben, wie jedesGeheimnis; aber wie sie auch beantwortet werde, immer blnbcsie doch für unser gegenwärtiges, für unser künftiges Daseinsehr unfruchtbar. Denn wenn es auch wahrscheinlich wäre, daßwir schon einmal, che wir als Menschen geboren wurden,lebten: was haben wir davon, da wir uns des vorigen Zu-standes nicht mehr zu erinnern vermögen? Ein Beweis, daß,wenn wir früher gelebt haben, cs in einem viel unvollkomme-ner» Zustande gewesen sein müsse. Und in der That kann unsdann sehr gleichgültig sein, was, wie und wo wir waren. Esist ohne Folgen für die Gegenwart. Die Erinnerung darandürfte vielleicht niederschlagcnder sein, als erhebend.

Lehrreicher ist eS uns, auf die beiden wichtigen Geburtsrstunden hinzubticken, mit denen der Eintritt in dieses und jenesLeben verknüpft ist. >>

Welcher Jubel der Aeltcrn und Verwandten bei der Er-scheinung des neugebornen Kindes! Aber am Ende der Lauf-bahn, welcher Schmerz derHimerlaffenen! Und warum beiderWiege so viele Freude, beim Sarge so viel Schmerz? Ach, cs istnicht die Liebe der Menschen eigentlich zu den Gebornen oderVerstorbenen, sondern die Liebe zu sich selbst, und die Freud«