Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
446
Einzelbild herunterladen
 

Sünden! Ja, cs ist gewißlich wahr, und ein theures, werthesWort, daß Jesus Christus gekommen ist in die Welt, dieSünder selig zu machen! (1. Tim. 1, 15.)

Er starb für unsere Sünden! Nicht weil er durch seineSünden den Tod verdient hatte. Denn wer lebte einfacher,demuthvoller, unschuldiger, als er? Er starb nicht für sichund seine Ehre. Wie oft entzog er sich den irdischen Ehren-bezeugungen, die man ihm dankbar darbringen wollte! Wie ofterklärte er laut und klar seinen Zeitgenossen, seinen Jüngern,die ihn als einen gewöhnlichen, jedoch vorzüglichen Menschenbetrachteten, und ihn noch immer nicht verstehen wollten, nichtfassen konnten: Nein, mein Reich ist nicht von dieser Welt!Wie oft sagte er ihnen, daß der Weg, welchen er dem Menschen--geschlechte zeige, ein ganz vom Irdischen verschiedener sei!»Ihr wisset," sagte er zu seinen vertrauten Schülern,dieweltlichen Könige herrschen, und die Gewaltigen heißt mangnädige Herren; ihr aber nicht also: sondern der Größeste untereuch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie einDiener." (Luk. 22, 25. 26.)

So starb dieser Heiligste, und starb nicht für sich. Erlebte, aber sein ganzes Leben vollbrachte er nicht für sich. Ervergaß sich selbst. Er hörte ganz auf, sich anzugehören, er ge-hörte nur uns an. Es war nicht unser irdisches Glück, mit demer sich beschäftigte, nicht die Unabhängigkeit eines Volkes, nichtErweiterung von Kenntnissen, nicht Vermehrung von anmuthigenLebensgenüssen und Bequemlichkeiten nein, dies alles warihm zu gering sein Auge blickte auf Gott, sein Herz schlugfür das Ewige, sein Geist sah hienieden nur das Geistige: erwollte der Erlöser unserer Seelen werden von allen Fesseln desIrdischen, von den Banden sinnlicher Leidenschaften. Er wolltenicht unsere Vaterlande auf Erden nein, unsere Geister wollteer frei machen, um sie vollendeter zum himmlischen Ursprungzurückzuführen.

Daher vergaß er alle Anmuth eigener Lebensstunden; dafürließ er sich die bängsten Stunden Wohlgefallen, dafür war csihm gleichgültig, Knechtsgestalt anzunehmen; dafür sah man